Wirbel um einen Alleingang

Dringend auf der Suche nach einer Wohnung: „Weil ich gemeckert habe, kriege ich sie nicht“, meint Oliver Pooch Foto: Petra Mörth
 
Stadtrat Jürgen Nickel (SPÖ): "Ich lasse mich nicht über Wochen und Monate von einem Wohnungssuchenden pflanzen." Foto: KK

Wohnungs-Stadtrat Jürgen Nickel (SPÖ) wies Werber ohne Beschluss zurück. FPK fordert Erklärung.

petra.moerth@woche.at

WOLFSBERG. Nach der Trennung von seiner Lebensgefährtin sucht Oliver Pooch dringend eine Wohnung. „Ich habe meine Ex-Freundin siebeneinhalb Jahre lang unentgeltlich gepflegt, was in Kärnten allerdings nicht als erwerbsmäßige Arbeit gilt“, erzählt Oliver Pooch.

Neue Wohnanschrift

Um einen Antrag auf Mindestsicherung stellen zu können, muss der als arbeitslos gemeldete gelernte Kaufmann einen festen Wohnsitz nachweisen.
Deshalb stellte er am 19. September 2011 über die Website www.wolfsberg.at ein Ansuchen auf eine Gemeindewohnung. Rund drei Monate später erfuhr Pooch von einer 37 Quadratmeter großen Wohnung in der St. Johanner Straße 6.

Für 19. Dezember wurde ein erster Besichtigungstermin fixiert. „Der schönste Raum war noch das Badezimmer.“ Die Wände im Wohn- und Schlafzimmer, der Küche und im Vorraum hätten extreme Feuchtigkeit aufgewiesen. „Die drei Fenster glichen innen den Niagarafällen“, so Pooch. Außerdem waren weder die Wände ausgemalt, noch ein Boden verlegt.

Der Stadtrat entscheidet

Bei einem weiteren Besichtigungstermin soll ein Deal ausgehandelt worden sein. „Mir werden fünf Nettokaltmieten erlassen, wenn ich selbst ausmale und Laminat verlege“, sagt er. Laut Pooch wurde der 1. Februar als Bezugstermin mündlich fixiert. Am 19. Jänner entschied er sich definitiv für die in der Zwischenzeit getrocknete Wohnung.

„Ich rief im Wohnungsamt an. Dann hieß es: Die Vergabe der Wohnung findet am 1. Februar in der Stadtratssitzung statt.“ Und: „Es gelte, einen zweiten Bewerber abzuwarten.“ Als er am 30. Jänner nochmals sein Interesse kundtat, kam – knapp acht Stunden vor der Stadtratssitzung – per Mail eine Absage.

Schaden für die Stadt

Darin verwies Hannelore Skoff, die Leiterin der Abteilung Wohnungsamt und Liegenschaften, auf Poochs wiederholte Beanstandungen über die Sanierungsarbeiten und das Hinauszögern der Zusage. Der Stadt sei ein Schaden von zwei Monatsmieten entstanden. „Es kann keinem Mieter zugemutet werden, in ein ,Feuchtbiotop‘ zu ziehen“, wehrt sich Pooch.

Entscheidung ohne Gremium

„Ich stehe zu meiner Absage“, so Wohnungs-Stadtrat Jürgen Nickel (SPÖ), der für diese Entscheidung keinen Stadtratsbeschluss abgewartet hat. Denn: „Ich lasse mich nicht über Wochen und Monate von einem Wohnungssuchenden pflanzen.“ Und: Im Übrigen sei es „lachhaft“, dass eine Person, die sich dringend auf der Suche nach einer Wohnung befindet, Bedingungen stellt. „So kann man in Wolfsberg zu keiner Wohnung kommen“, so Nickel.

Die FPK fordert Erklärung

„Der Wohnungsreferent hat bei der Vergabe ein Vorschlagsrecht, aber alleine entscheiden darf er überhaupt nicht“, stellt Stadtwerke-Stadtrat Harald Trettenbrein (FPK) klar. Der Fraktionschef der Wolfsberger Freiheitlichen fordert via WOCHE einen genauen Bericht des Referenten. „Ich erwarte mir in der nächsten Stadtratssitzung eine Erklärung von Herrn Stadtrat Jürgen Nickel“, so Trettenbrein.

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