"Das Maß ist voll und ich gehe"

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Ex-ÖVP-Stadtrat Mario Woltsche Foto: Petra Mörth

„Ich ziehe mich aus der Politik zurück und werde mich künftig wieder stärker anderen Bereichen meines Lebens widmen. Diese Entscheidung habe ich mir nicht einfach gemacht, kann aber mit gutem Gewissen von Bord gehen, weil ich eine auf Gemeinde- und Bezirksebene geordnete und entscheidungsfähige Partei zurücklasse“, sagt Stadtrat Mario Woltsche. In einer Presseaussendung kündigte Woltsche heute seinen sofortigen Rückzug aus der Politik und die Niederlegung aller politischen Ämter und Funktionen sowohl auf Gemeinde- als auch auf Bezirksebene an.

"Einseitiger Privatkrieg"

Als Hauptgrund für sein Ausscheiden aus der Politik nennt Mario Woltsche den „einseitigen Privatkrieg“, den seine ÖVP-Vorgängerin im Wolfsberger Stadtrat seit Jahren gegen ihn führt. Diese Auseinandersetzung, so Woltsche, habe zuletzt ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr länger tragbar und zu tolerieren sei. Woltsche: „Ich kann und will es mir weder privat noch beruflich leisten, in aller Öffentlichkeit der ständigen Diffamierung ausgesetzt zu sein. Damit ist das Maß voll und ich gehe.“

Gefährlicher Stillstand durch ständige Querschüsse

Die gezielte Diffamierung seiner Person, die von einigen Medien tatkräftig unterstützt werde, sei nicht nur kräfteraubend, sondern behindere die politische Tätigkeit. Selbst dem von der ÖVP parteiintern einberufenen Schiedsgericht sei es nicht gelungen, diesen Konflikt zu lösen. Mario Woltsche: „Trotz breiter Unterstützung in der Gemeinde, im Bezirk und auch bei der Landespartei hat die Auseinandersetzung nun eine Intensität erreicht, die ich nicht mehr akzeptieren kann und die auch der ÖVP schadet.“ Durch die ständigen Querschüsse sei es in einigen Bereichen der Parteiarbeit zu einem gefährlichen Stillstand gekommen, der es z.B. unmöglich machte, die Frage der ÖVP-Frauenbewegung zu lösen und diese wichtige Organisation neu zu ordnen. Woltsche: „Somit mache ich den Weg frei für Neues, damit durch die Entfernung des absoluten Feindbildes wieder Ruhe einkehren kann.“ Das sei auch der Grund dafür, warum er sich zur Gänze aus der Politik zurückziehe und auch auf sein Gemeinderatsmandat verzichte. Woltsche: „Bliebe ich im Gemeinderat, wäre ich weiter das Feindbild und die verfahrene Situation könnte sich nicht ändern.“

Kritik an Rot-Blau in Wolfsberg

Kein Geheimnis macht Woltsche auch daraus, dass die vor kurzem verkündete Themenpartnerschaft zwischen SPÖ und FPK seinen Entschluss zwar nicht ausgelöst, aber doch beschleunigt habe. Woltsche: „Ich war immer für das Spiel der freien Kräfte in der Gemeindepolitik und dafür, dass jeder mit jedem redet. Wenn nun die Beschlüsse wieder vorab im stillen Kämmerchen ausgemacht werden, mag das zwar für einige Politiker angenehmer sein, bringt den Wolfsbergerinnen und Wolfsbergern aber nichts Gutes.“ Zudem sei festzustellen, dass viele ÖVP-Themen der letzten Jahre nun von SPÖ und FPK „übernommen“ wurden, ohne freilich auf die eigentliche Urheberschaft, die bei der ÖVP liege, hinzuweisen.

Mario Woltsche (42) gehörte dem Wolfsberger Gemeinderat seit März 2009 an und war als Stadtrat für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing, Land- und Forstwirtschaft, das ländliche Wegenetz, Altstadterhaltung und Ortsbildpflege verantwortlich. Für die ÖVP bestritt er als Spitzenkandidat zwei Bürgermeisterwahlen in Wolfsberg und stand seit Februar 2010 auch der ÖVP Lavanttal als Bezirksparteiobmann vor.

Befürworter für Gratisparken

Als Politiker kann Woltsche auf Gemeinde- wie auch auf Bezirksebene auf eine Reihe von Erfolgen verweisen. So hat er als Stadtrat in Wolfsberg wichtige Impulse für die Belebung der Innenstadt gesetzt und die daraus entstandenen Projekte begleitet, war maßgeblich an der Einführung des Gratisparkens beteiligt, erkannte früher als viele andere die Bedeutung der Nahversorgerproblematik in der Innenstadt, erwirkte Landesmittel für etliche Projekte in seinen Ressorts und machte das Wolfsberger Tierheim nicht nur zum öffentlichen Thema, sondern führte auch die erfolgreichen Kaufverhandlungen mit dem Liegenschaftseigentümer.

Noch kein Nachfolger

In der ÖVP Wolfsberg bemühte er sich um eine zeitgemäße Organisation und sorgte u.a. durch die Installierung von Ortsgruppensprechern für ein wirkungsvolleres Mitsprache- und Entscheidungsrecht der Parteibasis im ÖVP-Gemeindeparteivorstand. Auf Bezirksebene konnte er nach seiner Wahl zum ÖVP-Bezirksparteiobmann im Februar 2010 mit einem engagierten und erfahrenen Team die Bezirkspartei weiter einen und – zum Beispiel durch die Gründung der Jungen ÖVP im oberen Lavanttal – wichtige Weichen für die Zukunft stellen. „Über die Zukunft der Partei brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Sowohl auf Gemeinde- als auch auf Bezirksebene gibt es geeignete Personen, die die Nachfolge antreten können. Aber darüber entscheiden die zuständigen Gremien“, sagt Woltsche abschließend.

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