Private schlittern öfter in Konkurs

"Den Kopf in den Sand zu stecken, ist das Schlechteste, was man bei Schulden tun kann," weiß Schuldnerberaterin Alexandra Florjantschitz

Die Zahl der Privatkonkurse im Bezirk steigt an. Die durchschnittliche Verschuldung liegt bei 65.000 Euro.

Oberkärnten. Im ersten Quartal 2010 meldeten 21 Oberkärntner Konkurs an, im Vorjahr waren es im selben Zeitraum sieben. „Wobei man diese Zahlen jedoch relativ sehen muss, das kann sich schnell ändern“, schildert Alexandra Florjantschitz, Regionalstellenleiterin der Bevorrechteten Schuldnerberatung Kärnten.
48 Personen suchten im ersten Quartal Kontakt zur Beratungsstelle (im Vorjahr waren es 46), insgesamt wurden 214 Akten bearbeitet, da zu den Erstkontakten noch 166 „alte“ Fälle hinzukommen. „Die durchschnittliche Verschuldung liegt bei 65.000 Euro, die Gläubigeranzahl zwischen fünf und fünfzehn“, informiert Florjantschitz. Auffallend: Es sind immer mehr Leute unter 25 Jahren betroffen, die hauptsächlich Handyschulden anhäufen, Verträge übers Internet abschließen oder Kleinkredite wie für die Wohnung nicht bezahlen können.

Schlechter Umgang mit Geld

„Der Hauptgrund für Verschuldung ist eine Einkommensverschlechterung durch Arbeitslosigkeit, oder, so wie es gerade letztes Jahr vermehrt aufgetreten ist, Kurzarbeit“, weiß die Schuldnerberaterin. Gleich an zweiter Stelle kommt als Ursache aber ein schlechter Umgang mit dem Geld.
Momentan wenden sich auch viele ehemalige Selbstständige an die Schuldnerberatung. „Viele stürzen sich unbedacht in die Selbstständigkeit ohne entsprechendes Wissen und finanzielle Grundmittel“, so Florjantschitz.
Eine Besonderheit im Bezirk: Es gibt viele Schuldner mit Liegenschaftsvermögen. Aufgrund der Krise, die beispielsweise Arbeitslosigkeit bedingt, können viele ihre Kredite nicht mehr bedienen. „Das führt momentan verstärkt dazu, dass Häuser verkauft oder versteigert werden müssen.“
Und: Viele Frauen übernehmen bei Krediten des Partners die Mithaftung oder unterschreiben Bürgschaften, ohne sich der möglichen Folgen bewusst zu sein. Vielfach sind sie dann nach einer Scheidung oder Trennung oder auch Arbeitslosigkeit des Partners mit diesen Schulden konfrontiert.
Wichtig ist, sich in solchen Situationen rasch Hilfe zu holen.

Schulden:
„Gefährliche“ Schulden sind Mietrückstände, die können für den Schulnder existenzbedrohend werden, wenn er die Wohnung verliert. Ebenso verhält es sich mit Unterhaltsschulden – die müssen von der Schuldnerberatung zuerst geregelt werden.
„Vogel-Strauß-Politik“ zu machen, also den Kopf in den Sand zu stecken, ist das Schlechteste, was man tun kann. „Ich bekomme oft ganze Säcke voll mit verschlossenen Briefen“, schildert Florjantschitz. Mit Gläubigern rechtzeitig in Kontakt zu treten ist auch deshalb so wichtig, weil man sich weitere Kosten (z. B. Mahnungen, Inkassobüros) sparen kann.
Hilfe suchen: Wichtig ist, sich rasch Hilfe zu suchen. Die Schuldnerberatung berät kostenlos.
Von 8 bis 12 Uhr kann man unter 04762/44 969 einen Termin ausmachen.

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