Post aus Australien: Der letzte ausführliche Teil

Irgendwo mitten im Nirgendwo hat unser Auto den Geist aufgegeben
 
Chris und ich beim "Road-Chill-Walk" vor dem Uluru bzw. Ayers Rock
 
Atemberaubend schöne Schlucht: die Gorge in Katherine

Kolbnitz, Australien. Mittlerweile ist WOCHE-Mitarbeiter Christian Egger wieder daheim in Kärnten, er berichtet noch von seinen letzten Erlebnissen in Australien.
Als wir schon 70 Kilometer im Outback Richtung Alice Springs unterwegs waren, gab unser Auto auf einmal den Geist auf. Es war kein schönes Gefühl, irgendwo mitten im Nirgendwo zu stehen und nicht weiter zu kommen. Zum Glück hatten wir ein wenig Werkzeug mit und konnten den Schaden provisorisch beheben, damit wir langsam die 70 Kilometer zurück in die Zivilisation fahren konnten. Dort stellte eine Werkstatt die niederschmetternde Diagnose, nämlich Motorschaden. Wir hatten also keine andere Möglichkeit als unsere Karre verschrotten zu lassen. Damit stellte sich nun die Frage: Wie soll es weiter gehen? Der Steirer Gernot Stadlober hatte die Nase voll und flog zurück nach Perth, von wo aus er bald nach Hause flog.
Doch der Penker Christian Rindler und ich gaben nicht auf und erstellten ein Ersatzprogramm. Mit dem Bus fuhren wir zwei Reißecker von Port Augusta 15 Stunden lang nach Alice Springs, von wo aus wir am nächsten Tag eine eintägige Bustour zum Uluru, besser bekannt als Ayers Rock, unternahmen. Wie abgelegen dieser ist, sieht man daran, dass die Alice Springs der Ausgangspunkt zu den Touren zum Uluru – und der ist immerhin 500 Kilometer von der Stadt entfernt. Man könnte denken, dass der gigantische Monolith einfach nur ein Felsen ist, es verbirgt sich aber mehr dahinter. Das erste Spektakuläre ist, dass er im Laufe des Tages je nach Sonnenstand seine Farbe immer wieder ändert. Die verschiedenen Höhlen, Spalten, Wasserstellen und Felsteile hatten und haben außerdem die verschiedensten Verwendungszwecke und Bedeutungen für die Aborigines. Für Aufheiterung sorgten wir wieder mit unseren Campingstühlen und unseren selbsternannten Road-Chill-Walk.
Nach drei Tagen in Alice Springs setzten wir unseren Trip mit dem Zug "The Ghan" fort und fuhren geradewegs in die Tropenstadt Katherine, die 300 Kilometer südlich von Darwin liegt. Dort ergeben Aborigines einen erheblichen Teil der Bervölkerung. Viele von denen sieht man unter Tags in der Stadt auf den Grünflächen herumlungern. In der Nacht beobachteten wir einmal eine Gruppe betrunkerner Aborigines, die eine ganze Straße verwüsteten und mit Metalltonnen auf ein Auto einschlugen. Als der Besitzer des Fahrzeugs kam, suchten sie laut schreiend das Weite. Aber ansonsten verhalten sich die Ureinwohner, mit einzelnen Ausnahmen, ziemlich ruhig und stellten kein Problem dar.
Unser nächstes Ziel war ja eigentlich die Bullo River Station, dessen Besitzer der vor 20 Jahren ausgewanderte Millstätter Franz Ranacher ist. Es galt nur noch zu organisieren, wie wir dort hinkommen konnten, liegt doch zwischen der Bullo River Station und der nächstgelegenen Ortschaft unglaubliche 300 Kilometer. Nach fast einer Woche in Katherine wurde dieses Problem schließlich gelöst. Mit dem Bus fuhren wir Richtung Westen und stiegen bei einer Aborigines Community aus. Von dort aus holte uns Franz Ranacher doch wirklich mit seinem Hubschrauber ab und flog uns zur Bullo River Station. Auf dem halbstündigen Flug ging es über atemberaubende Landschaften und dem Fluss, bei dem wir einige Salzwasserkrokodile zu Gesicht bekamen.
Die Bullo River Station ist eine Cattle Station, so werden in Australien die riesigen Rinderfarmen genannt. Das Areal der Station weist eine Fläche von 200.000 Hektar auf, auf der sich 8000 Rinder befinden. Franz betreibt das Ganze mit seiner Frau Marlee, den Kindern Ben (14 Jahre) und Franzi (9) und um die 15 Saisonarbeiter. Einige Tage verbrachten wir mit zäunen, insgesamt mehrere Kilometer lang. Aber wenn man im Paradies arbeitet, macht die Arbeit gleicht doppelt Spaß. Die Landschaft ist so umwerfend schön, dass wir uns wie mitten in der ORF-Sendung Universum fühlten. Aber nicht nur die Flora, sondern auch die Fauna bietet hier eine unglaubliche Artenvielfalt. Besonders witzig finde ich die rundlich geformten Flaschenbäume. Wir sahen unter anderem Krokokodile, Wasserbüffel, Emus, Riesenvarane, Dingos und eine unglaubliche Vielfalt an Vögeln wie Pelikane, Kakadus, Papageien, Adler und vieles mehr. Es gibt hier auch extrem viele Kängurus, die auch hier, wie eigentlich in fast ganz Australien als Plage gesehen werden.
Ein Teil des Zaunes führte durch den teilweise ausgetrockneten Fluss. Trotzdem gab es noch die ein oder andere Wasserstelle zu durchqueren, wo man einige Tage zuvor ein großes Salzwasserkrokodil gesichtet hat. Über zu wenig Abenteuer kann ich mich jedenfalls nicht beklagen, denn ungefährlich war diese Situation ganz und gar nicht.
Eine weitere gefährliche Situation mit Krokodilen erlebte ich, als insgesamt 50 Kühe im schlammigen Fluss stecken geblieben sind und wir versuchten, diese zu befreien. In diese missliche Lage sind sie überhaupt erst gekommen, als sie beim "mustarn", also beim Rinder zusammen treiben, vom Weg abgekommen sind. "Mustarn" erfolgt hier übrigens mit dem Hubschrauber, verständlich bei diesen Flächen und der Rinderanzahl. Zu viert rückten wir mit Pick-Up, Schaufeln, Seil und Gewehr an. Teilweise schaufelten wir die Rinder händisch frei, der Schlamm presste sich um die Rinder wie Beton. Einige versuchten wir mit Seil und Auto aus dem Fluss zu ziehen. Das war eine sehr gefährliche Arbeit, denn rundherum waren Krokodile auf der Lauer. Deshalb feuerten wir, bevor wir das Seil um die Rinder banden, auch immer ein paar Schüsse ins seichte Wasser, um sicher zu gehen, dass sich kein Krokodil darunter versteckt hielt. Nach der Rettung musste wir immer von den Rindern flüchten, die setzten nämlich sofort zur Attacke an. Sie merken nicht, dass man ihnen das Leben rettet. Letztendlich konnten wir 23 der Rinder retten, die restlichen 27 wurden einfach an Ort und Stelle erschossen, um ihnen einen qualvollen Tod zu ersparen. Für die Krokodile war das ein Festmahl. Mit einer Aktion wurde hier ein durchschnittlicher österreichischer Bauernhof ausgelöscht, auf der Cattle Station kam das aber einen Tropfen auf dem heißen Stein gleich. Zwei weitere Male mussten wir ausrücken, um im Fluss steckengebliebene Rinder zu befreien. Bei den zwei weiteren Versuchen, konnten wir aber alle Rinder befreien.
Nach dem "Mustarn" wurden die Rinder in die Gehege, den sogenannten "Yards" getrieben. Dort mussten wir sie von einem Gehege ins andere treiben, was auch eine Arbeit mit viel Adrenalin war. Viele dieser Tiere sind nämlich komplette Wildtiere und haben noch nie zuvor einen Menschen gesehen. Da kann man sich schon vorstellen, dass sie aggressiv reagieren, wenn sie plötzlich eingesperrt sind. Es kam oft vor, dass sich eine Kuh oder ein Stier deshalb plötzlich umdrehte und mit den langen Hörnern voran auf uns los startete. Nicht wenig oft konnte ich mich dabei erst in letzter Sekunde über den Zaun retten.
Wir mussten aber nicht nur arbeiten auf der Cattle Station, so wurden wir insgesamt dreimal zum Fischen mitgenommen. Auch das war ein richtiges Abenteuer. Zuerst sind wir nämlich zu abgelegenen Wasserstellen gegangen, um Köder zu fangen. Wir wateten auch durch diese. Auf meine Frage, ob es auf Grund von Krokodilen nicht gefährlich ist, durch die Wasserstellen zu gehen, meinte mein australischer Kollege nur: "Normalerweise kommen sie nicht so weit rauf, aber man kann nie wissen". Nach dem Köderfang sind wir zum Fluss gegangen, um Barramundi, ein kösterlicher Speisefisch, zu fangen. Ich konnte zwar keinen Barramundi fangen, dafür hatte ich aber dreimal einen Riffhai an der Angel. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich mal einen Hai aus dem Wasser ziehen werde und dann gleich dreimal. Einmal ist beim Fischen direkt vor uns ein Krokodil aufgetaucht, als es uns gesehen hat, ist es aber blitzartig wieder verschwunden.
Nach den drei Wochen auf der Bullo River Station sind wir schließlich mit dem Privatflugzeug der Farm nach Darwin geflogen worden. Beim eineinhalb stündigen Flug durfte ich mit dem Piloten Dave im Cockpit sitzen und für einige Zeit sogar allein das Flugzeug steuern. Von Darwin aus flogen wir nach Brisbane, wo wir noch ein paar Tage verbrachten. Danach flog ich nach Sydney, von wo aus ich meine Heimreise antrat. Zu Hause organisierten meine Familie und Freunde eine riesige Überraschungsparty für mich.
Zum Schluss bleibt noch zu sagen, dass dieses Auslandssemester in Australien ein einmaliges Erlebnis war und mein Leben bereicherte. Man wird dadurch weltoffener, lernt neue Kulturen und Freunde kennen und verbessert zudem noch seine Fremdsprachenkenntnisse. Außerdem hat man nach dem absolvierten Semester die Möglichkeit, sich ein fremdes Land und dessen Natur und Kulturen anzusehen. Was ich in diesen sieben Monaten erlebt habe, hat mir persönlich extrem viel gebracht und ich werde diese Erlbebnisse jedenfalls mein ganzes Leben nicht vergessen. Abschließend kann ich nur jeden Studierenden ans Herz legen, ein solches Auslandssemester zu machen. Man erlebt dort nämlich die Zeit seines Lebens.

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