Karntn is lei unschuldig – vermutlich!

Anleitung zur Bewahrung seiner vermutlichen Unschuld ...

Demokratie hin oder her – man braucht sie, die Helden, die Idole, die Leitfiguren.

Der Bürger, der in der Regel ja nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzt, überträgt sehr gerne die positiven Tugenden auf jene, die sie dann vermeintlich umsetzen. Das sind dann die Anständigen – die Starken – die Klugen und die Feschen. Und die werden die Sache dann schon ordentlich machen - weil selbst ist man nur der arme Sünder, der eben allzu leicht den irdischen Versuchungen erliegt. Man errichtet für sich die Bildnisse dieser über alles erhabenen Supertypen, die uns zeigen, was Recht und Ordnung ist - die uns zeigen, wo es lang geht – und die grundsätzlich unschuldig sind.

Und dann kommt so ein Guttenberg daher und wirft alles über den Haufen! Ja kochen die alle nur mit Wasser?

Sofort fühlt man sich dazu berufen sein Idol zu verteidigen – dessen Verfehlungen zu relativieren und entwickelt oft unglaubliche Toleranz gegenüber jenen, die man selbst empor gehoben hat. Da wandern Regeln und Werte in Sekundenschnelle in die Mülltonne.

Deutschland ist anders. Der ins Zwielicht Geratene gesteht seine Verfehlungen ein, muss daraus seine Konsequenzen ziehen – und gibt seinen Rücktritt bekannt.

Bei uns läuft das gänzlich anders, denn hierzulande postuliert ein „Guttenberg“ erst einmal kategorisch seine Unschuld, denkt nie und nimmer an Rücktritt und dann wird die Rechtsstaatlichkeit von den besten Anwälten rund um die Verfehlung erweitert und neu angepasst. Jeder Paragraph, der nur irgendwie die nötige Elastizität besitzt, um gebeugt zu werden, oder an den man sich vorbeischleichen kann, wird strapaziert. Und so erfolgt politisches Handeln nicht - wie man es eigentlich verlangen müsste – aus dem Zustand höchster Integrität und bestem Leumund heraus, sondern aus einer verwaschenen Grauzone der vermuteten Unschuld.

Wie sehr man sich bei uns an die Nomenklatur all der vermutlich Unschuldigen gewöhnt hat, beweist der Wähler immer wieder aufs Neue. Man gewinnt mittlerweile schon eher den Eindruck, dass – je geschickter und unverschämter ein Unschuldsvermuteter mit der Wahrheit umgeht, umso heldenhafter er sich in der Öffentlichkeit präsentieren kann. Das ist demokratiepolitisch ein gefährliches Paradoxon und stellt uns auf die gleiche Stufe mit autoritären Ländern, in denen die Gewaltentrennung – das Grundprinzip einer Demokratie – kein Thema ist.

Und während anderswo die Bürger gegen ihre Despoten auf die Straße gehen und Leib und Leben riskieren, können diese sich bei uns - unter dem fragwürdigen Wohlwollen der Bürger - bequem zurücklehnen und weiter ihre Unschuld praktizieren.

Wenn uns in nächster Zukunft unsere Kinder fragen werden, weshalb wir ihnen den prall gefüllten Rucksack einer enormen Pro-Kopf-Verschuldung umhängen, kann man dann getrost sagen, dass wir daran vermutlich unschuldig sind.

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Günter Krammer aus Lurnfeld am 18.03.2011 um 20:14 Uhr  
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