Das Dorf in der Stadt
"Das Bürgerspital war unser Nachbarhaus. Dort wurden verarmte Bürger auf Kosten der Gemeinde erhalten," schrieb Dr. Sebastian Weberitsch in seinen Lebenserinnerungen. Das St. Veiter Bürgerspital ist eine städtebauliche Kuriosität. Das Bürgerspital und die Spitalskirche bilden eine um einen langgestreckten Hof gelagerte, zweigeschossige gotische Bautengruppe aus dem 14. Jahrhundert. Das Ensemble bildet eine völlig in sich geschlossenes kleines Dorf in der Stadt
Noch heute wird das Antlitz der Villacher Vorstadt durch zwei Stiftungen des 14.Jahrhunderts bestimmt: Das Klarissinnenkloster von 1321 und das bald danach errichtete Bürgerspital. . Das “hospitale extramuros de sancto Vito” wurde 1321 von Dietmut, einer frommen St. Veiter Witwe, gestiftet. Ein- und zweigeschossige Bauten säumen einen langgestreckten Innenhof. Die Zugänge ist durch ein Ost- und ein Westtor gesichert. Der Gebäudekomplex wurde im 17. Jahrhundert erweitert und mit Lauben und Arkaden versehen. Nach dem Brand von 1829 erfolgte eine Instandsetzung des interessanten Gebäudekomplexes.
Nordseitig ist die heute profanierte gotische Spitalskirche in die Anlage einbezogen. 1351 wurde die Kirche zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1422 stifteten die Bürger von St. Veit eine Kaplanstelle mit ewiger Meßlesung. Acht Tafeln des gotischen Altars mit der Darstellung der Vituslegende befinden sich heute im Klagenfurter Landesmuseum. Der barocke Hochaltar wurde 1931 in die damals gerade fertiggestellte Klagenfurter Christkönigskirche gebracht. Der Hochaltar der aufgelassenen Bürgerspitalskirche ist eines der besten Werke der barocken Kärntner Altarbaukunst (1672).
Um 1880 bekam jeder Bewohner des Bürgerspitals am Samstag nach dem Mittagessen einen von der Gemeinde festgesetzten Betrag. Zur Auszahlung wurde die kleine Bürgerspitalsglocke geläutet. Sie klang, laut Dr.Weberitsch, wie eine Arme-Sünder-Glocke, recht wehmütig. Mit dem Geldbetrag wurden auch kiloweise Kaffee, Mehl, Erbsen, Bohnen, Hirse, Zucker, Schmalz, Schweinefett und Reis an die Bewohner des Bürgerspitals verteilt.
"Zu Beginn des Wiesenmarktes (Michaelimarktes) wurden zu jener Zeit im Bürgerspital die Hausfluren und Holzlagen ausgeräumt, auf Holzschragen lange Bretter gelegt und Papier darüber gebreitet, denn Buchhändler hatten den Platz für vierzehn Tage gemietet. Die Bretter wurden mit Buchbinderwaren, alten und neuen Büchern, Kalendern mit farbigen Bauernregeln und Instrumenten jeglicher Art belegt. Die Wände wurden mit farbigen Bildern behängt, die mit Holzzwickern auf gezogenen Schnüren festgehalten wurden. Man sah Heiligen- und Kaiserbildnisse, Nachbildung alter Meister, dabei wieder Farbendrucke moderner Bilder, Kupferstiche, Steindrucke, alte Madonnenbildnisse neben den bedenklichsten Laszivitäten, " bemerkte Dr.Sebastian Weberitsch in seinen Lebenserinnerungen.
1984-1987 wurde die Anlage umfassend renoviert und weiterhin für Wohnzwecke, vor allem für sogenannte Startwohnungen, genützt. Im Herbst 2004 wird das Bürgerspital als Kulturzentrum eröffnet. Die Musikschule bekam in den alten Gemäuern eine neue Heimat. Die Kirche dient nun seit Jahren als Veranstaltungsraum. Im Bürgerspital wurde auch Raum für einen gehobenen Gastronomiebetrieb geschaffen. Klaus Dolleschall und sein Küchenchef Christopher Scheiber haben 2010 das ehemalige Restaurant PrincS im Bürgerspital neu übernommen, leicht adaptiert und zusätzlich mit einer umfangreichen Vinothek bestückt: Ihr Lokal heißt Vitus Restaurant-Vinothek.
Literatur:
Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes St.Veit, 1931, Dr.Karl Ginhart
Aus dem Leben des Doktor Sebastian Weberitsch, 1947, Dr.Sebastian Weberitsch
Stadtführer St.Veit an der Glan, 1987, Herausgeber Verschönerungsverein St.Veit/Glan
St.Veit an der Glan, 1997, Andreas Besold, Wilhelm Deuer, Heinz Ellersdorfer,
Kurt Grafschafter, Wilhelm Wadl, Anton Wieser
St.Veit/Glan Die Kärntner Herzogstadt, Illustrierter Stadtführer, 2001, Andreas Besold u. Kurt Grafschafter
Link:
http://www.clubsanktveit.at/club-stveit/F_MICE/img...

