„Neiddebatte auf dem Rücken der Bauern“

 

Minister Nikolaus Berlakovich zu
Besuch in der Agrar-HAK in Althofen.

(hh). Anlässlich seines Kärnten-Tages besuchte Landwirtschaftsminister Berlakovich die Agrar-HAK und Landwirtschaftliche Fachschule Altho-fen. Die WOCHE bat den Minister und die St. Veiter ÖVP-Bezirksobfrau Wolf-Schöffmann um ein Interview.

WOCHE: AK und ÖGB haben sich wieder auf die Bauern eingeschossen und fordern von der Bauernschaft einen höheren Beitrag zum Sparpaket. Wie stehen Sie dazu?
BERLAKOVICH: Eine Neiddebatte auf dem Rücken der bäuerlichen Bevölkerung lehne ich ab. Der Anteil der Agrarausgaben am Gesamtbudget beträgt drei Prozent. Die Landwirtschaft wird ihren Beitrag zum Sparpaket leisten, aber sie kann das Budget nicht alleine sanieren. Sollten die Forderungen von AK und ÖGB durchgesetzt werden, wäre ein massives Bauernsterben die Folge. Was das für die Gesellschaft und für den ländlichen Raum bedeuten würde, wird leider viel zu oft vergessen.
Wie bedeutsam ist die Landwirtschaft denn für den Raum St. Veit? Kann man das abschätzen?
WOLF-SCHÖFFMANN: Im Bezirk gibt es über 1.700 landwirtschaftliche Betriebe – daran hängen nicht nur direkte Arbeitsplätze auf den Höfen, sondern natürlich auch indirekt jene Arbeitsplätze, die zum Beispiel in der Vermarktung der Produkte entstehen. Denken wir nur an die Produkte der vier Genussregionen, die es im Bezirk St. Veit gibt: Gurktaler Speck, Görtschitztaler Milch, Metnitztaler Wild und Mittelkärntner Blondvieh. Die Vermarktung über diese Genussland Kärnten-Schiene steigert die Wertschöpfung im Bezirk und sichert damit Arbeitplätze. Ob in der Lebensmittelproduktion, beim Erhalt unserer Kulturlandschaft oder der Pflege des ländlichen Wegenetzes – von den Leistungen unserer Bauern profitieren wir alle.

Sie haben die Agrar-HAK besucht. Wie stehen Sie zum landwirtschaftlichen Schulwesen? Es wird immer wieder als zu teuer kritisiert.
BERLAKOVICH: Die landwirtschaftlichen Fachschulen werden als Internate geführt, und das darf man bei dieser Rechnung nicht vergessen. Wenn man diese Kosten aufrechnet, liegt auch das landwirtschaftliche Schulwesen genau im Rahmen. Die landwirtschaftlichen Fachschulen sind für die Qualität und Praxisnähe in der Ausbildung bekannt. Ich stehe daher weiterhin voll und ganz hinter dieser Schulform. Auch von der neu sanierten Agrar-HAK bin ich begeistert.
Die Agrarförderungen sind immer wieder ein Reizthema. Was sagen Sie dazu?
BERLAKOVICH: In Österreich haben wir Hygiene-, Tierschutz- und Umweltstandards, die eine Lebensmittelproduktion auf Weltmarktpreisen nicht möglich machen. Wir wollen heimische, sichere Produkte? Dann müssen wir diese Wettbewerbsnachteile auch ausgleichen. Außerdem sind die Agrarzahlungen leistungsbezogene Abgeltungen und keine Subventionen.
WOLF-SCHÖFFMANN: Dem stimme ich zu. Wir können uns auf die sichere Qualität heimischer, regionaler Produkte verlassen. Kärnten hatte seit Jahren keinen Lebensmittelskandal und das ist kein Zufall!
Wie sieht die Zukunft für die Landwirtschaft im Bezirk aus? Wo gibt es Entwicklungspotenziale?
WOLF-SCHÖFFMANN: Ganz wichtig ist der Bereich Bioenergie. Da sehe ich große Chancen. Knapp 70 Prozent der Bezirksfläche entfallen auf Wald. Durch eine verstärkte Nutzung des Waldes als Energielieferant, zusätzlich zur traditionellen Holznutzung, könnten weitere Arbeitsplätze entstehen

Nikolaus Berlakovich: Der Burgenländer ist seit 2. Dezember 2008 Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Studium: An der Universität für Bodenkultur, Fachrichtung Landwirtschaft, Pflanzenproduktion

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