Die Gewalt nimmt nicht zu, sie wird nur eher gesehen
Obervellach: Kulturzentrum | In Kooperation mit der Kriminalprävention der Polizei und dem Oberkärntner Frauenhaus informierte das Familienforum Mölltal am Freitag, den 28. Jänner im Kulturzentrum Obervellach über Gewalt in der Familie, die rechtlichen Möglichkeiten sich zu schützen und Hilfe für die Opfer.
Gewalt hat viele Gesichter und ist immer entwürdigend
Neben der körperlichen Gewalt wie Treten und Schlagen wird von den Tätern auch seelische, sexuelle, soziale und ökonomische Gewalt angewendet. Drohung, Einschüchterung, Einsperren und die Verweigerung von Geld sind nur wenige Beispiele. 90% der von häuslicher Gewalt betroffenen Menschen sind Frauen. Kinder werden oft stumme Zeugen der Misshandlung ihrer eigenen Mutter. Betroffene schweigen aus Scham und wissen nicht, welche Rechte sie haben.
Tatbestand erfordert das Eingreifen der Exekutive
Erst seit 1997 bietet das Gewaltschutzgesetz der Polizei die Möglichkeit gegen Übergriffe konsequent einzuschreiten und die Opfer zu schützen. Die Beamten haben die Möglichkeit den Täter wegzuweisen und für 2 Wochen ein Betretungsverbot auszusprechen. „Das gilt auch dann, wenn der Täter der Besitzer der Wohnung ist. So können die Betroffenen in einem sicheren Bereich verbleiben.“ informierte Kriminalbeamter Rainer Tripolt, der 2005 den Gewaltschutzpreis erhielt. Mag. Tanja Lackner von der Sicherheitsbehörde erläuterte: „Die Beamten erstellen anhand der Befragung des Opfers eine Gefährdungsanalyse und sprechen die Wegweisung aus. Es gibt keine Möglichkeit der vorzeitigen Aufhebung, man muss ein klares Signal setzen, dass die Gesellschaft Gewalt ächtet – egal wie oder wo“. Die Wegweisung bedarf nicht der Zustimmung des Opfers. In Kärnten kommt es durchschnittlich jeden Tag zu einer Wegweisung, im Bezirk Spittal passiert es wöchentlich, dass vor allen Frauen durch diese Maßnahme geschützt werden müssen.
Oberkärntner Frauenhaus bietet schnell und unkompliziert Hilfe
„Aufgabe des Frauenhauses ist nicht nur die Arbeit mit betroffenen Frauen und Kindern. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Prävention“ erklärt Gudrun Näher den Aufgabenbereich ihrer Organisation. „Häusliche Gewalt wird leider noch immer als Privatsache gesehen“. Alle Frauen, die Gewalt erfahren haben, finden Zuflucht im Frauenhaus. Die Mitarbeiterinnen bieten einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst. Das Frauenhaus arbeitet nach dem Grundsatz: Hilfe zur Selbsthilfe – so viel Hilfe wie nötig und soviel Selbständigkeit wie möglich. Jede Frau entscheidet selbst, ob sie zum Partner zurück oder in die Eigenständigkeit geht. Die Verweildauer Im Frauenhaus ist von wenigen Tagen bis zu einem Jahr. „Durch den Kontakt mit anderen Frauen, die auch Gewalt erlebt haben öffnet sich der Blickwinkel der Betroffenen, und das hilft ihnen sehr“ schließt Gudrun Näher.
Familienforum bietet Beratung und Betreuung
Das Familienforum Mölltal bietet Unterstützung für die Eltern und in der Person von Kornelia Eisank eine kompetente Familienberaterin: „In der Familie wünscht man sich ein friedliches Zusammenleben, aber das gelingt nicht immer. Das Familienforum bietet Entlastung für Eltern in Form von Kindergruppen und ein Müttercafe an. Da kann man sich über verschiedenste Themen austauschen und Probleme besprechen“.
Arbeiten wir zusammen an einem guten Miteinander
Viel Zuversicht und Optimismus gab abschließend Elisabeth Sagerschnig den Menschen mit nach Hause: „Üben wir uns in Aufmerksamkeit und arbeiten wir zusammen an einen gutem Miteinander. Schenken wir uns Zuwendungen und Wohlwollen, jeder braucht das, dann kann ein gutes Miteinander gelingen - in der Familie, im Mölltal und auf der ganzen Welt. Diese Vision dürfen wir nicht verlieren! Wir haben heute ein Tabu öffentlich gebrochen und das ist ein guter Schritt. Es kommt auf uns alle, auf jeden einzelnen an“.

