Reformen ohne Jammerei ...
... fordern die beiden Jungpolitiker Max Lercher und Rupert Reif sowohl für die Steiermark als auch für das Murtal im Gespräch mit der "Murtaler Zeitung".
Sie bestimmen die Jugendpolitik der Steiermark aktiv mit: Max Lercher als Landesvorsitzender der Sozialistischen Jugend (SJ) und als Landtagsabgeordneter der SPÖ, Rupert Reif als Landesgeschäftsführer der Jungen ÖVP (JVP).
MZ: Die SJ hat kürzlich das Projekt „Wir retten die Steiermark“ gestartet - ist die Steiermark noch zu retten?
Max Lercher: Ja, absolut. Die Aktion muss man auch anders verstehen: Sie beschäftigt sich sehr stark mit der Einbindung von jugendlichen Ideen. Uns geht es darum, über zielgruppenorientierte Aktionen Ideen zu kriegen und diese dann umzusetzen. Wir wollen einfach neue Wege gehen.
Rupert Reif: Auf jeden Fall - die Steiermark ist ein wunderschönes Bundesland. Das Problem ist, wir nutzen oft unsere Möglichkeiten nicht aus. Wir brauchen mehr Geld für die Regionen, das muss man in der Verwaltung einsparen.
Seht Ihr Euch als Teil der steirischen Reformpartnerschaft?
Lercher: Das ist ganz schwierig. In Sachfragen sind wir nur im Interesse der Jugend unterwegs, wir sind aber nicht zusammengemauert. Wir kommen nicht schlecht miteinander aus, aber es gibt auch Themen, bei denen wir uns nicht so nahe sind.
Reif: Ich glaube, dass unsere Jugendparteien da schon oft weiter waren, als die Mütterparteien, wenn es um sachliche Arbeit geht. Wir haben das schon länger so gemacht. Ich finde das aber auch von den Reformpartnern sehr vorbildlich.
Lercher: Jugendorganisationen sind nicht wie herkömmliche Parteien. Es gibt ganz viel kritisches Reflektieren.
Reif: Das ist auch bei uns so. Ich glaube, dass von allen Teilorganisationen in der JVP am meisten diskutiert wird. Eine Jugendorganisation, in der nicht diskutiert wird, das ist ein Karrierebildungsverein.
Lercher: Ich sage immer Ochsenjugend dazu: Jugendliche, die nur sitzen und darauf warten, weiterzukommen.
Nehmen die Reformpartner genügend Rücksicht auf die Jugend?
Reif: Das ist grundsätzlich eine gute Sache für die Jugend. Viele Reformen kommen schlussendlich uns zugute.
Lercher: Ich wäre jetzt blöd, wenn ich als Abgeordneter was anderes sagen würde. Natürlich geht viel für die Jugend - das kann ich auch beweisen: Tarifförderung, Jugendlandtag, Jugendschutzgesetz und so weiter. Das sind Meilensteine, bei denen wir Vorreiter sind. Wir machen das Land damit zukunftsfähig.
Reif: Von der Jugend wird das sehr positiv aufgenommen. Wir sind nicht umsonst österreichweit Vorbild.
Lercher (lacht): Provinz blamiert Wien.
Kommen wir zur Strukturreform: Gehört der Bezirk Murau zum Murtal?
Reif: Natürlich ist er ein Teil des Murtals. Ich halte den Namen für den Bezirk Murtal ohnehin nicht für optimal.
Sollen die beiden Bezirke fusionieren?
Reif: Ich glaube, dass die Sache momentan noch nicht ganz ausgereift ist. Es geht darum, dass kein Bürger benachteiligt wird. Jetzt ist es richtig, dass Murau noch nicht dabei ist - wenn die Voraussetzungen passen, kann ich es mir in Zukunft aber vorstellen.
Lercher: Prinzipiell: Kommen die sieben Großregionen in der Steiermark, wird Murau mit dem Murtal fusionieren. Kommen sie nicht, dann müssen wir uns einen Ausgleich zwischen den beiden Bezirken überlegen. Murau ist in vielen Bereichen zurückgeblieben. Ich sage immer: Zukunft ist Jugend. Wenn man das haben will, müssen die Blockierer weg.
Ein Blick auf die Gemeindeebene: Mit welchen Gemeinden soll St. Peter am Kammersberg fusionieren?
Lercher: Da sehe ich Möglichkeiten in alle Richtungen. Ich weiß von Gesprächen mit Schöder und Katsch, das sind die zwei möglichen Richtungen. St. Peter ist da sehr offen und ich unterstütze das.
Wie sieht es damit bei St. Lorenzen bei Scheifling aus?
Lercher (lacht): Das ist aufgelegt!
Reif: Ich bin dafür, dass zumindest Scheifling und St. Lorenzen zusammengelegt werden. Für viele befindet sich der Lebensmittelpunkt ohnehin in Scheifling. Wie das dann heißt, ist eigentlich egal. Eine interessante Idee wäre, gleich die Kleinregion zu fusionieren, da wäre dann auch Teufenbach dabei. Es gibt dann gute Möglichkeiten, die Kleinregionen neu zu positionieren.
Lercher: Auch die Kleinregion Murau mit acht Gemeinden wäre eine tolle Geschichte.
Max, Du hast Dir den Kreischberg als Thema auf die Fahnen geheftet - was muss aus politischer Sicht bis zur Doppel-WM 2015 noch passieren?
Lercher: Wir müssen bis dahin unbedingt das Sonderbudget durchbringen. In Murau gibt es die mit Abstand schlechtesten Straßenverhältnisse. Ein Forderungspunkt ist beispielsweise auch eine Bettenzulage. Zusammenfassend also dringende Infrastrukturmaßnahmen und langfristige Förderinstrumente. Das Zeitfenster bis Herbst dieses Jahres ist schon sehr knapp.
Reif: Das ist eine irrsinnige Chance für die Region. Soviel Werbung kann man sonst gar nicht bekommen.
Die S 36 soll ab 2013 zum Teil vierspurig ausgebaut werden - ist das genug?
Reif: Ich finde nicht, die Straße gehört gänzlich vierspurig ausgebaut. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, wieder nur teilweise auszubauen. Bei uns stellt sich immer die Kostenfrage, die es anderswo nicht gibt.
Lercher: Das sehe ich zum Teil anders: Uns muss bewusst sein, dass wir seit 20 Jahren darüber diskutieren. Was dort für Schnitzer passiert sind, ist eine Frechheit. Man muss froh sein, dass das jetzt kommt - es sind immerhin 200 Millionen Euro. Auch die wären fast schon weg gewesen. Ich bin aber Realist genug, um zu wissen: Wir müssen weiter fordern, bis der Bagger tatsächlich auch vor der Tür steht.
Abschließend bitte drei Punkte: Wie kann man die Jugend in der Region halten?
Reif: Jobs - man kann nicht nur von der guten Luft leben. Außerdem passende Freizeitmöglichkeiten und ein Bekenntnis zur Region. Wir haben attraktive Angebote.
Lercher: Zukunftschancen, Beschäftigung, bei der auch der Verdienst passt und Jugendkultur. Von der Lederhose bis zum Rockkonzert muss das Angebot da sein. Das alles können wir bieten, wenn die Jammerer weg sind.

schönes interview! =) gut zu sehen, dass bei den parteien auch mal was gscheides nachkommt. nur warum der abg. lercher eine so betont pseudomäßig auf jugendlich getrimmte sprache verwendet (muss man den revoluzzer in dem alter wirklich noch immer so raushängen lassen) ist etwas seltsam. der reif hat gute ansichten. gefällt mir.