Fritz Meyer
Nach den zwei Silbermedaillen (Massenstart und Staffel) bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Peyongchang 2009 gilt der Frojacher Christoph Sumann auch bei der Olympiade 2010 in Vancouver als heißer Medaillen-Kandidat im rot-weiß-roten Lager. Olympisches Edelmetall fehlt noch in der Sammlung des sympathischen Murtaler Sportlers.
Der olympische Auftakt erfolgt mit dem Sprint am 14. Februar in Whistler, Sumann ist in allen fünf Bewerben startberechtigt und hat somit mehrere Möglichkeiten, sich olympisches Edelmetall zu sichern. Die Form von Sumann stimmt, der Frojacher blickt der Olympiade zuversichtlich entgegen.
MZ-Sportressortleiter Fritz Meyer konnte mit Christoph Sumann folgendes Interview führen.
MZ: Christoph, verläuft die Olympia-Vorbereitung bislang programmgemäß?
Christoph Sumann: Wir haben in Windischgarsten (OÖ) ideale Bedingungen, haben völlige Ruhe. Wir bereiten uns sechs Tage lang intensiv vor. Wir waren im Vorfeld, speziell im Jänner, läuferisch in Top-Verfassung. Es gilt, die Form bis zu Olympia zu konservieren. Es steht ein intensives Schießtraining am Programm, in den letzten Wochen haben sich hier doch einige Fehler eingeschlichen, jetzt haben wir Zeit, diese zu beheben – es wird also intensives Schusstraining absolviert.
Olympia ist für einen Sportler sicher ein unbeschreibliches Gefühl – aber dein Auftritt bei der World-Team-Challenge in der Arena auf Schalke, wo du mit der deutschen Partnerin Kati Wilhelm den Bewerb gewonnen hast und wo mehr als 50.000 Fans für Gänsehaut-Stimmung sorgten – ist ein Event von der Atmosphäre her überhaupt noch zu toppen?
Sumann: Ich war bislang zweimal bei Olympia, habe dort aber nie ein Flair gespürt oder gesehen. Ich lasse mich aber gern eines Besseren belehren, schauen wir mal, wie es heuer abläuft. Wir Sportler, vor allem die Nordischen, bekommen hier kaum etwas mit, halten uns zumeist auf den Strecken auf. Wir sind auch meist abgelegen untergebracht. Unsere Bewerbe finden auch abseits von Vancouver, in Whistler Mountain, statt. Ich hoffe, dass es diesmal doch besser wird.
Zurück zum Olympia-Countdown. Was sind die Kriterien auf der Biathlon-Strecke in Whistler?
Sumann: Wir waren letztes Jahr dort, haben uns die Strecke gut angesehen und auch drei Wettkämpfe absolviert, die durchwegs positiv verlaufen sind. Es ist keine Strecke mit vielen Anstiegen, diese sind ohnehin flach gehalten, es sind eher viele Gleitpassagen vorhanden. In Whistler muss man sehr viel arbeiten, vor allem mit dem Oberkörper. Dies kommt unserer momentanen Laufstärke sogar eher zugute. Wenn wir mit dem Material alles hinkriegen, sollte es keine Probleme geben. Wir reisen ohnehin frühzeitig an, so dass sich auch die Serviceleute auf die Bedingungen einstellen können. Das Strecken-Profil sollte für die österreichischen Athleten auf jeden Fall passen.
In welchen Bewerb setzt du die größten Erwartungen im Kampf um olympisches Edelmetall?
Sumann: Ich will eigentlich nichts bevorzugen. Wir haben fünf Bewerbe, davon vier im Einzel. Jeder von uns vier Startern hat berechtigte Medaillenchancen. Wir müssen einfach schauen, dass die Form in Whistler stimmt. Wenn wir treffen, sind wir sicher jederzeit für eine Medaille gut. Ganz speziell natürlich im Abschlussbewerb, der Staffel, ist der Fokus eindeutig auf Edelmedall gerichtet.
Die Dichte im Biathlon wird immer größer, es gibt zahlreiche Sieganwärter – allen voran ist aber immer wieder Altmeister Ole Einar Björndalen zu nennen. Kann der Norweger wieder zum Olympia-Seriensieger mutieren?
Sumann: Schwer zu sagen, der Jüngste ist er nicht mehr, aber immer noch ein akribischer Arbeiter. Er hat natürlich alles in Blickrichtung Olympia gerichtet. Das Kunststück, alle fünf Goldmedaillen von Salt Lake City zu wiederholen, glaube ich persönlich, wird ihm nicht gelingen. Für die eine oder andere Medaille ist er aber auf alle Fälle ein Anwärter. Zum Seriensieger wird er nicht mehr mutieren, dies traue ich ihm nicht mehr zu.
Hast du bei der Olympiade einen Geheimtipp auf der Rechnung?
Sumann: Ich würde sagen, dass Emil Hegle Svendsen (Norwegen) ein heißer Kandidat sein wird. Aber wie gesagt, die Dichte ist groß, jeder muss erst einmal seine Leistung abrufen, zu der er fähig ist. Es gibt vielleicht wenige Top-, aber viele Mit-Favoriten. Es kann viel passieren, wenn aber jemand als Top-Favorit nach Kanada fährt, dann ist es sicher der Emil Svendsen.
Die Erwartungshaltung für Medaillen im Lager der Biathleten ist in der Öffentlichkeit nach den letzten Erfolgen sicher groß und auch berechtigt. Lastet ein besonderer Druck auf der österr. Equipe?
Sumann: Eigentlich nicht. Den Druck machen wir uns eh selber. Wie groß dieser ist, hat man praktisch selber in der Hand. Außenstehend, nein. Natürlich ist die Erwartungshaltung eine ganz andere als bei den letzten Olympischen Spielen. Nach den letzten Leistungen, die eigentlich immer gepasst haben, erwartet man natürlich schon einiges, mit der Statistenrolle werden wir uns nicht zufriedengeben. Wir wollen schon an die guten Ergebnisse anknüpfen.
Du gilst als „Spaßvogel“ im positiven Sinn im Biathlon-Tross. Ist im Falle eines Medaillen-Gewinnes mit einer „Sumi“-Einlage zu rechnen?
Sumann: Ich plane so etwas nicht im Vorfeld. Ich bin aber einer, der Emotionen zeigt, sei es positiv oder auch negativ. Wenn mich die Emotionen überwältigen sollten, wird es sicherlich etwas geben, frei von der Leber weg. Lassen wir uns überraschen.
Wann wäre ein Christoph Sumann mit der Olympia-Teilnahme absolut nicht zufrieden und tief enttäuscht?
Sumann: Tief enttäuscht wäre ich, wenn ich das Niveau, welches ich seit knapp eineinhalb Jahren sowohl beim Laufen als auch auf dem Schießstand habe, genau zu dem Zeitpunkt in den zwei Wochen nicht abrufen könnte. Eine Medaille kann man nicht planen, die muss passieren. Genau so werde ich Olympia in Angriff nehmen.







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