Gesunde Genüsse machen Schule
Leibnitz: Leibnitz | Speis’ und Trank sollen gesund sein, darum ist man an unseren Schulen bemüht.
Ohne Frühstück und ohne Jause in die Schule, das gilt für viele der SchülerInnen, wodurch das Schulbuffet oft zur ersten lukullischen Anlaufstelle wird. Um gegen Chips und Co. und somit gegen das Übergewicht bei der Jugend Sturm zu laufen, war sogar ein Verbot von Fast Food im Gespräch des Gesundheitsministeriums. Inzwischen setzt man doch auf Selbsterkenntnis: Im Schuljahr 2012/13 soll an 20 bis 30 höheren steirischen Schulen ein Pilotprojekt als Vorbereitung für den restriktiven Verkauf von ungesunden Lebensmitteln gestartet werden. Das ist kürzlich bei einem Gipfelgespräch zwischen Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger Ploder, Landesschulratspräsident Wolfgang Erlitz und Vizepräsidentin Elisabeth Meixner vereinbart worden.
Doch wie steht es tatsächlich an unseren Schulen um Speis’ und Trank? Die WOCHE hat sich umgehört und dabei viele Bestrebungen für ein gesundes Ernährungsangebot geortet.
In der kleinen Schulkantine in der Leibnitzer Klostergasse, mit BG/BRG sowie HAK und HAS, hantieren seit September 2011 Elke Lammer und Anni Heidinger. Hier sucht man vergebens nach Chips und Cola, dafür stehen Äpfel und frisches Gebäck sowie Mineral- und Fruchtwasser ganz vorne. „Wir machen auch Aufstriche selbst und bieten Frankfurter und Pizza. Am besten geht halt der traditionelle Toast“, so Lammer. Betrieben wird die Kantine von der Veit GmbH, mit Franz Veit: „Ich halte wenig von Verboten, außerdem ist unsere Kantine schon auf der gesunden Schiene, z.B. mit Obst aus der Region. Eine Kantine hat auch eine wirtschaftliche Komponente zu erfüllen. Um das breite Angebot sinnvoll zu nutzen, müssen schon Eltern, Schüler und Lehrer Überzeugungsarbeit schaffen“.
Mehr Eingenverantwortung
Mehr als 20 Jahre hat Othmar Oswald zuvor an diesem Standort eine Kantine betrieben. Seit elf Jahren ist er in der HTBLA in Kaindorf mit rund 850 SchülerInnen stationiert, wo Gabi Kraber und Waltraud Wilfling täglich frisch auskochen: Also Kartoffelpürre ohne Pulver, frisches Faschiertes u.a. „Ein Verbot gewisser Produkte ist aus wirtschaftlicher Sicht nicht einzuhalten“, so Oswald und verweist damit auf Konkurrenz rund um Kebab, Pizza-Zusteller, Fast-Food-Ketten u.a. „Unsere Burger sind dafür mit frischem Gebäck und Bio-Rindfleisch und die Würstel für die Hot-Dogs beziehe ich ebenso von einem regionalen Lieferanten, wie auch das Obst.“ Insgesamt sei aber ein Trend zu schlankeren Getränken und Speisen erkennbar. „Nur zur Prüfungszeit steigt der Konsum an süßen Tröstern sprunghaft an“, weiß Waltraud Wilfling.
Josef Hubmann betreibt die Jausenstationen in den Leibnitzer Hauptschulen I und II sowie am Polytechnikum und ist Zulieferer für weitere Schulen. „Den Großteil der gesunden Jause kann ich meist wieder mitnehmen“, so Hubmann, der vom Vollkornweckerl bis zu Obst und Joghurt vieles zu bieten hat. Auch er sieht in Aufklärung mehr Sinn als in Verboten: „ Bei dem Überangebot an Zuckerlständern, Getränkeautomaten, Fast-Food u.a. wird ausgewogene Ernährung zum Kampf gegen Windmühlen.“
„Grüner Teller“
Einen neuen Weg beschreitet man an Landesberufsschulen. „So ist der ’Grüne Teller’ als Zertifikat mit ’Styria Vitalis’ eingeführt worden, der wie eine Haube wieder fallen kann“, erklärt Internatsleiter der LBS Eibiswald und Arnfels Bernhard Prangl. „Wir setzen auf gesunde Gemeinschaftsverpflegung, wozu die Mitarbeiter eine spezielle Ausbildung erhalten“, ist Franz Kremser als GF der Lehrlingshäuser der WK stolz. Regional, saisonal und Bio sind dabei grundlegend für die Zutaten, die oft als „Schmuggelware“ z.B. ein würziges Gulasch verfeinern.
Äpfel statt Chips
Derzeit gelten elf Prozent der Kinder im jugendlichen Alter zwischen sechs und 15 Jahren als Übergewichtig, acht Prozent als fettleibig. Ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen ist laut einer Studie des Gesundheitsministeriums falsch ernährt. Die meisten essen zu salzig, zu fett, zu wenig Obst und Gemüse und trinken zu wenig, wobei gerade Kinder viel Flüssigkeit brauchen.
Autorin: Susanne Veronik

