Abwanderung in der Mur-Mürz Furche

Es ist ein Phänomen das auf der ganzen Welt zu beobachten ist: Die Menschheit zieht es weg von den Dörfern in die Ballungszentren. Natürlich gibt es dafür je nach Weltregion unterschiedliche Gründe, in einer Drittwelt Region schlicht und einfach um nicht zu verhungern, um in die Stadt arbeiten zu gehen damit man der Familie Geld schicken kann, oder in unseren Breitengraden um ein Studium zu machen, Berufswünsche zu erfüllen die man in "der Provinz" einfach nicht vorfindet, bisweilen auch einfach um "zu leben" und die -teilweise vermeintlichen- Vorteile des Stadtlebens zu genießen.
In Zeiten der sinkenden Geburtenraten in der westlichen Welt ist dies für die ländlichen Regionen natürlich ein massives Problem.
Einerseits ist durch die damit einhergehenden drastischen Einbrüche der Bevölkerungszahlen ein großer finanzieller Verlust zu verkraften, andererseits ist natürlich nichts schlimmer als in einer "sterbenden" Stadt zu leben, was zu einem Teufelskreis führt und die jungen Menschen noch schneller abwandern lässt.
Wenn die Jungen gehen, verschwinden damit natürlich auch die Arbeitsplätze der Industrie, der Handel sperrt zu, die Verbindungen des öffentlichen Verkehrs werden zurückgefahren und zu guter Letzt zieht sich auch der Staat zurück indem er Institutionen abzieht. Dann ist die Region gestorben.
Natürlich war nach dem Zusammbruch der verstaatlichten Industrie zu erwarten das die Einwohnerzahlen im Mur-Mürztal verringern werden, ein Gesundschrumpfen eben, die derzeitigen Abwanderungszahlen und verschiedene Indikatoren zeichnen aber schon ein Bild das in Richtung Negativspirale zeigt.
Weiters kam dann eben der an und für sich positive Trend, dass junge Menschen verstärkt nach Selbstentfaltung streben und nicht mehr so stark die Gegebenheiten hinnehmen in die sie hineingeboren wurden und die Mobilität enorm gesteigert wurde, im geografischen aber auch im gedanklichen und virtuellen Bereich.
Dennoch müssen sich die Politiker unserer Region verstärkt die Frage stellen wie kann man diesen Trend umkehren, oder zumindest abschwächen, um den Menschen einen Verbleib in der Region schmackhaft zu machen.
Wobei gesagt werden muss, dass das Leben im Raum Mürz-Bruck-Leoben jedem die Möglichkeit gibt gut zu leben, vielleicht gehörte dies auch besser kommuniziert, "Heimat-PR" sozusagen. Ohne PR kommt anscheinend heute nichts mehr aus.
Weiters müssen sich aber auch die Abwandernden die Frage stellen ob sie der Region wirklich den Rücken kehren müssen weil hier alles gar so schlecht ist. Man darf ja nicht vergessen, dass die Arbeitslosigkeit gering ist, und nicht durch "Billig-Jobs" sondern gut bezahlte Industriearbeitsplätze.
Dazu gibt es gute Schulen, angefangen von qualitätvollen (noch) Hauptschulen, guten Gymnasien und BHS verschiedenster Richtungen.
Lehrlinge können sich in der Industrie eine Top Ausbildung holen, bei zB Böhler werden Industrietechniker forciert (Lehre-Meister-Berufsreife). Wem das zu wenig ist der kann sich auf einer Institution die sich innerhalb kürzester Zeit einen Namen gemacht hat in verschiedensten Richtungen höchstqualifizieren, der FH Joanneum in Kapfenberg.
Auf eine Institution die schon längst einen Namen hat, die Montanuni, braucht man nicht näher eingehen, die ist sowieso absolute Elite-Schmiede.
Auch in der Erwachsenenbildung fehlt es an nichts, BFI in Bruck, Leoben, Mürz, in letzterer Einrichtung gibt es auch die FacharbeiterInnen Akademie um der Wirtschaft die Leute zu geben die sie braucht. Sie würde noch mehr brauchen, vielleicht wäre es für so manchen doch interessanter hierzubleiben, anstatt in den Ballungszentren das zu suchen was man oft nicht findet und dann im Prekariat hängen bleibt, bei einem mageren Gehalt, dafür aber saftigen Mieten.
In unserer Region gibt es einige Leitbetriebe von Weltformat, Marktführer und das kommt nicht von ungefähr.
Wem diese Industrie zu schwer und schmutzig erscheint, was natürlich schon lange nicht mehr der Wahrheit entspricht, sich als Mär aber hartnäckig hält, dem sei ein Blick auf die Homepage der Kaplan Akademie angeraten einer Institution die sich der Ausbildung, aber auch Verwirklichung (Windpark Moschkogel) alternativer Energieträger verschrieben hat, auf sehr hohem Niveau, Schlagwort "green jobs".
Und zu alldem kommen auch die niedrige Kriminalitätsrate, gute Verbindung zu den Städten Wien und Graz (Pendeln wie in meinem Fall möglich), die Schönheiten der Landschaft, Freizeitmöglichkeiten vom Skifahren, Frei- und Hallendbädern, dem Spa in Leoben, Kunstforen, Museen, die große jährliche Ausstellung in Leoben. Verschiedenste Vereine, wobei hier der sportliche Teil hervorzuheben mir wichtig erscheint. Vom kleinsten Hobbyverein bis zum Fußball Bundesliga Verein Kapfenberg, oder einer neu errichteten Indoor Kletterhalle in Mitterdorf im Mürztal, ist so vieles da, erst Recht das was hier aufzuzählen nicht der Platz reicht.
Das wohnen ist leistbar, es werden immer wieder schöne, moderne Wohnungen gebaut, kurz gesagt unsere Region ist einfach lebenswert.
Einer der Negativpunkte ist vielleicht die noch ausbaufähige Kinderbetreuung, aber auch die fehlende Bereitschaft Kinder zu haben, aber dies ist generell ein Problem in unserer Gesellschaft, da sehr vielen jungen Menschen die "das Leben zu leben" wichtiger ist, als sich der Aufgaben zu widmen Kinder zu erziehen und so unsere Gesellschaft zukunftsfähig zu machen.
Es gibt drei Möglichkeiten: Aussterben, mehr Kinder haben oder Migration zulassen.
Das erste will keiner oder nur wenige, das zweite wird oft aufgeschoben bis es zu spät wird, und letzteres ist in Österreich nicht erwünscht und was unsere Region betrifft schon gar nicht.
Aber die Entscheidung liegt bei jedem selbst, nur, die Zeit drängt.

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