Moral soll wieder Einzug halten!

Will einen neuen Geist des Vertrauens ins Haus bringen: Matthias Angres

Matthias Angres, neuer medizinischer Direktor des LKH Klagenfurt, über Ziele, Moral und seinen unkonventionellen Stil.

WOCHE: Was hat Sie zu dem Schritt bewogen, als medizinischer Direktor nach Klagenfurt zu kommen?

Matthias Angres: Ich bin schlicht und ergreifend von Frau Manegold (Kabeg-Chefin), die ich von meiner Zeit aus Deutschland kenne, überredet worden. Vor zwei Jahren habe ich dieser Art von Tätigkeit eigentlich abgeschworen und wollte mich ganz der humanitären Arbeit widmen. Es ist aber ein Akt der Ehre, wenn man gebeten wird, bei einem so tollen Haus interimsmäßig einzuspringen. Was mich neben der interessanten Aufgabe am meisten zu diesem Schritt bewogen hat, ist auch die Chance, mein humanitäres Projekt auch hier in Österreich bekannt zu machen.

Was macht die Stiftung „Robin Aid“?

Wir beteiligen uns am medizinischen und wirtschaftlichen Betrieb von Krankenhäusern in Krisengebieten. Wir bauen Infrastruktur auf, bieten Ausbildungsprogramme an und holen Kinder, die Akuthilfe brauchen, zur Behandlung nach Deutschland. Seit fast vier Jahren bin ich regelmäßig in Afghanistan – wir betreiben ein Kinderkrankenhaus in Kabul –und habe dort eine solche Menge an Leid erlebt, was mich stark verändert und dazu bewogen hat, meine Krankenhauskarriere zu beenden. Derzeit sind wir auch dabei, in Haiti präsent zu sein. Dort gibt es ein Riesen-Ausbildungsproblem, da bei dem Erdbeben die Hochschule eingestürzt ist – 80 Prozent der Professoren und Studenten sind tot. Dort fehlt eine komplette Bildungsschicht.

Wie lässt sich Ihr Job in Klagenfurt mit Ihrer Arbeit für „Robin Aid“ vereinbaren?

Indem ich 18 bis 20 Stunden arbeite und über die Grenzen dessen gehe, was man eigentlich leisten kann. Auch das Projekt in Klagenfurt hat ja was damit zu tun, Humanität zu praktizieren. Dieses Haus braucht nicht nur inhaltliche, sondern auch soziale Kompetenz. Ich mache nichts anderes, als die Menschen auf eine gemeinsame Vision einzuschwören. Das Haus ist perfekt angefahren, was aber nicht heißt, dass es keine Probleme gibt.

Ihre Ziele als LKH-Direktor?

Das erste Ziel ist eine Transparenzoffensive: alle Wirtschaftszahlen offenzulegen. Der Mitarbeiter hat das gleiche Recht auf Transparenz wie ich als Leiter. Transparenz nach außen heißt ein lesbarer Qualitätsbericht, den auch der Patient versteht. Klar darzulegen, wo sind wir gut und wo haben wir noch Bedarf. Der zweite Punkt ist das Perfektionieren der interdiszi-plinären Notfallaufnahme – weg von den Abteilungsgrenzen. Das dritte Ziel ist, einen neuen Geist des Vertrauens in das Haus zu bringen – nach dem Prinzip Trainer und Mannschaft. Ein Krankenhaus muss eine moralische Instanz sein.

Trotz Budgetkürzungen: Wie wollen Sie Ihre Ziele erreichen?

Eine hohe Qualität senkt die Kosten automatisch. Dieses Haus wird irgendwann dazu beitragen, dass eine gute Medizin billiger wird. Man kann aber nicht davon ausgehen, dass man mit dem Neubau die Ersparnisse säckeweise raustragen wird. Das ist ein gigantischer Veränderungsprozess. Meine Stärke ist es, Menschen zu begeistern. Ich bin gerade dabei, mich von Formalismen, blödsinnigen Sitzungen und Gremien zu befreien und konzentriere mich darauf, nah am Mitarbeiter und Patienten zu sein. Das macht mich auch angreifbar, wenn ich formal nicht immer perfekt vorbereitet bin. Sehr unkonventionell, aber mit mir haben sie sich jemanden geholt, der inhaltlich weiß, was er tut.

Lesen Sie den 2. Teil des Interviews in der nächsten WOCHE-Ausgabe.

Zur Person: Dr. Matthias Angres wurde am 12. Dezember 1957 geboren und studierte Medizin und Theologie. Der gebürtige Berliner war über 15 Jahre in deutschen Krankenhäusern in leitender Funktion tätig. Der Anästhesist betreibt über seine Stiftung „Robin Aid – Brücken der Hoffnung“ ein Kinderkrankenhaus in Kabul, ist verheiratet und hat eine Tochter (Sarah, 9). Seine Hobbys sind Musik (Klavier) und Laufen.

Autor: Sandra Glanzer

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