„Frauen müssen lauter sein“

Sylvia Wostal will, dass sich Frauen „stärker in die Belange des Landes einmischen“ (Foto: WK/Gleiss)

Frau in der Wirtschaft hat viel vor: Sylvia Wostal ruft zu mehr Selbstbewusstsein
auf. Projekte folgen.


„Ich höre zu wenig von den Frauen“, findet Sylvia Wostal klare Worte. „Wir müssen viel lauter, politischer werden.“ Immerhin ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung weiblich. Keineswegs meint die Landesvorsitzende von „Frau in der Wirtschaft“ und WK-Vizepräsidentin damit „traditionelle Frauenthemen“. „Aus diesem Eck müssen wir heraus“, ist sie überzeugt.
Vielmehr wünscht sich Wostal, dass das weibliche Geschlecht zu aktuellen politischen Themen im Land klar Stellung bezieht. Mit einem Projekt von „Frau in der Wirtschaft“ will sie dies heuer fördern. Eine Projektgruppe arbeitet an entsprechenden Strategien. „Im Rahmen der Reihe ,Femconomy‘ sind kleinere, aber dafür regelmäßigere Veranstaltungen zu diesem Thema geplant.“

Gehört werden und bewegen
Wostals Diagnose: „Frauen scheinen Dinge nur anzugreifen, wenn sich in der Folge auch etwas bewegt.“ Viele würden aber das Gefühl haben, dass sie „ohnehin nichts verändern können“. „Deshalb tun sie erst gar nichts“, so Wostal. Sie sieht das freilich anders: „Es genügt oft, wenn man gehört wird, man muss nicht an Entscheidungspositionen sitzen.“

Insgesamt sieht Wostal viele Herausforderungen auf Unternehmerinnen zukommen. „Aufträge zu lukrieren wird schwieriger“, kennt sie die derzeitige Situation. Verschärfend komme hinzu, dass viele Unternehmerinnen in beratenden Branchen tätig sind – „in diesem Tätigkeitsfeld wird als Erstes eingespart.“ Deshalb müssten sich Frauen noch viel stärker positionieren.
Unter die Arme greifen will Wostal den Gründerinnen in Kärnten. Nach dem „Senior-Junior-Prinzip“ will sie erfahrene und erfolgreiche Damen mit Neueinsteigerinnen zusammenbringen. „Das Projekt ist sehr praxisbezogen – es genügt mir nicht, wenn die Teilnehmerinnen von Plakaten lächeln“, nimmt sie sich vor. Das Ziel: „Einen langfristigen Pool von Unternehmerinnen zu schaffen.“
Wostal hat sich zum Ziel gesteckt, den Austausch zwischen Unternehmerinnen zu fördern. „Überproportional viele Frauen haben Ein-Personen-Unternehmen; sie haben den Kontakt zu anderen deshalb nicht.“ Ihre Vision: „Co-Working-Spaces“, in denen man sich tage- und wochenweise einmieten kann. „Die Klagenfurter Bahnhofstraße bietet ausreichend Raum für ein erstes Projekt“, so Wostal. Sie appelliert: „Die Stadt ist auch gefordert so etwas zu unterstützen.“


Zur Sache:
Gründerinnen entscheiden sich hauptsächlich für die Branchen Consulting, Gewerbe und Handwerk. „Wir haben in der Beratung ein enormes Wachstum“, so Sylvia Wostal.

31 Prozent der Gründerinnen haben einen akademischen Abschluss. Die Tendenz: weiter steigend. Wostal: „Hier spiegelt sich der Wandel zur Wissensgesellschaft wider.“

Wichtiges Anliegen von „Frau in der Wirtschaft“ ist die Anhebung das Wochengeldes für junge Mütter. „Angestellte erhalten 50 Euro; Unternehmerinnen knapp 27“, erklärt Wostal. „Wir fordern, dass die Summe an die für Unselbstständige angepasst wird.“ Denn: „Die Lücke in der Babypause ist schwer zu schließen.“


Autor: Gerd Leitner

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