„Emotionen steuern uns 24 Stunden mit“
Uni-Professor Mario Patera hält Appelle zur Sachlichkeit für Unsinn und Gefühle im Beruf für wichtig.
Mediation ist nicht gleich Mediation. Während in angloamerikanischen Staaten der Begriff de facto von Juristen angewandt wird zur Erzielung außergerichtlicher Einigungen – um massiven finanziellen Belastungen bei Gericht zu entgehen –, herrscht hierzulande ein anderes Verständnis. „Es geht darum, qualitativ bessere, hochauflösende Bedürfnisprofile zu erarbeiten“, sagt der an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt lehrende Prof. Mario Patera, der derzeit einzige Professor für Mediation in Österreich. „In Konflikten werden zumeist einander Positionen um die Ohren gehauen – spannender ist die Frage: welche Bedürfnisse liegen eigentlich darunter?“, so Patera.
Professor Patera geht aber einen großen Schritt weiter: Mediation sei schließlich eine Weisheit, um die alle Kulturen bereits wussten: „Unsere Basis war die Überlegung, wie man dieses Wissen präventiv nutzen kann“, so Patera.
Mittlerweile wenden eine Reihe von Unternehmen, ganz große, aber auch KMUs, Pateras Know-how – die „mediative Führungskompetenz“ – an.
Grundlage dafür sind Erkenntnisse zum menschlichen Gehirn. Neun Monate lebt das ungeborene Kind im Mutterleib. „Verbindung, Wachstum und Entwicklung sind Grundbedürfnisse des Menschen, die aus der Zeit vor der Geburt stammen.“ Das sei unwiderruflich im Gehirn abgespeichert. Führungskräfte müssten daher in ihren Unternehmen Beziehungen gestalten und Entwicklungen ermöglichen – und damit die Grundbedürfnisse ihrer Mitarbeiter erfüllen.
Zur Sache:
Uni-Professor für Mediation, Mario Patera, zu:
Emotionale Intelligenz sei für Führungskräfte besonders wichtig, „aber Emotionen sind nach wie vor ein Tabu.“ Die immer wieder gehörten Appelle zur Sachlichkeit seien neurobiologisch ein Unsinn – „jeder von uns wird 24 Stunden am Tag von Emotionen mitgesteuert.“
Wohlfühlen: Vielmehr müssten Manager ihren Mitarbeitern dabei helfen, sich wohlzufühlen – Grundvoraussetzung dafür sei, dass sich der „Chef“ selbst wohlfühlt in seiner Haut. „Führungskräfte haben eine Selbstverantwortung für das eigene Wohlbefinden. Das ist die Bedingung für die Maximierung des Wohlbefindens der Mitarbeiter“, so Patera.
Weitere Infos im Internet unter www.konfliktkultur.com und www.isbm.at
Autor: Uwe Sommersguter
