2 neue Kapitäne setzen nun die Segel

Neu im Vorstand der Sparkasse: Gabriele Semmelrock-Werzer und Siegfried Huber

Der Sparkasse-Vorstand ist jetzt verdoppelt: Zwei Kärntner komplettieren Team in der Chefetage.

Frisches Blut für die Vorstandsetage der Kärntner Sparkasse: Gleich zwei neue Mitglieder „verdoppeln“ seit kurzem den Sparkasse-Vorstand: Zu General Alois Hochegger und Auslands-Vorstand Gernot Schmerlaib stieß Anfang März Gabriele Semmelrock-Werzer, zuvor für „Investor Relations“ der Erste Bank-Group in Wien verantwortlich. Schon im Jänner zog Siegfried Huber in die Chefetage der Zentrale im 2. Stock am Neuen Platz in Klagenfurt ein.
Semmelrock-Werzer entstammt der Pörtschacher Hoteliers-Dynastie; sie ist seit drei Jahrzehnten erfolgreich am Wiener Bank-Parkett tätig. Nach zwölf Jahren in der Mannschaft von Erste-Bank-Chef Andreas Treichl kehrt sie in ihre Heimat zurück. „So eine Chance muss man nützen. Ich dachte schon, ich kehre erst in der Pension wieder zurück.“
Huber stammt aus Feldkirchen und ist bereits seit acht Jahren in der Kärntner Sparkasse tätig – zuletzt als Chef des Treasury und der Beteiligungen. Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater ist der Herr über die Zahlen: „Ich bin für die Innereien zuständig.“ Huber, Freund klarer Worte. „Ich habe das Treasury durch die Finanzkrise geführt und dabei keine Blutspur gezogen.“

„Sozialisieren nicht Verluste“
Beide vereint der Stolz auf die Eigentümerstruktur der „Kärntner“ – 75 Prozent gehören einer Privatstiftung, die ihr Geld in soziale, wissenschaftliche und karitative Projekte investiert: „Wir sozialisieren Gewinne und nicht, wie manch andere, die Verluste“, meint Huber.
Die Neo-Vorstände glauben an ein ruhigeres wirtschaftliches Fahrwasser. „Das Ärgste ist vorbei“, meinen sie unisono. Semmelrock-Werzer wird die marktseitige Verantwortung tragen und somit die für die 47 Kärntner Bankfilialen. Möglicherweise sind es schon bald 50: „Wir setzen die Segel“, so Huber vielsagend. Konkret nimmt die Sparkasse weiter den Raum Villach und Villach-Land ins Visier. Hier sei man unterrepräsentiert. „Die zwei bestehenden Filialen werden gut angenommen, weitere werden folgen.“ Klares Ziel der „Kärntner“ ist es, auf Kosten des Mitbewerbs Marktanteile zu gewinnen. Wobei: „In unserem Radar ist ganz Kärnten.“

Direkt in der Schusslinie
Spannend die unterschiedlichern „Krisen-Erfahrungen“ der beiden Vorstände. Während Huber in Kärnten keine Schrammen im Ansehen seines Berufsstandes entdeckt haben will („Mein Auto ist nicht zerkratzt worden“), berichtet Semmelrock-Werzer von deftigeren Erlebnissen. „Das ging so weit, dass ich in der Hoch-Zeit der Finanzkrise private Einladungen nur wahrgenommen habe, wenn ich die Gäste kannte.“ Auswirkung dessen, dass die „Erste Bank“ direkt in der „Schusslinie“ stand.

Konservativ in Geldfragen
Das Adjektiv „konservativ“ ist nicht nur fixer Bestandteil ihres Wortschatzes, auch das eigene Geld wird so veranlagt. Semmelrock-Werzer investiert insbesondere in „unser altes Gemäuer am Wörthersee“ und „Erste“-Aktien; Huber besitzt Fonds und schätzt das gute alte Sparbuch - „gebunden auf ein Jahr, weil ich Zinserhöhungen erwarte“.

Gegen eine Frauenquote
Mit Semmelrock-Werzer zieht erstmals eine Frau in den Vorstand der Kärntner Sparkasse ein. Warum es so wenige Frauen so weit gebracht haben? „Das ist ein physiologisches Thema. Man muss auch bereit sein, Zeit zu opfern – und es ist eine Frage des Mutes.“ Sie selbst sei nie diskriminiert worden. Von Quoten hält Semmelrock-Werzer nichts: „Es wäre schade, würde jemand sagen, das ist ja nur die Quotenfrau.“ Klar bekennt sie sich aber zur Unterstützung von Frauen: „Karriereförderung ist ein Thema“, versteht sie sich als Mentorin.
Mit den neuen Vorständen ist die alleinige Dominanz der Lavanttaler in der Sparkasse-Chefetage durchbrochen. Bisher hatten vor allem Banker aus dem Raum Wolfsberg das Sagen. Semmelrock-Werzer schmunzelt: „Meine ersten Filialbesuche stattete ich im Lavanttal ab …“


Autoren: Uwe Sommersguter / Gerd Leitner

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