Ein Pizza Zusteller packt aus!
Es kennt sie ein jeder und so schnell wie sie da sind, sind sie auch wieder weg. - Der Pizza Bote - eine seltene Spezies, die es bis heute nicht geschafft hat zu großem Ruhm zu gelangen. Doch welche Geschichten stecken hier im Verborgenen? Was erlebt ein Solcher Tag für Tag und vorallem, welche Leute bestellen überhaupt Pizza?
Es hatte monatelange Recherchen gebraucht, um so tief in die Szene der Pizza Zusteller einzutauchen, damit auch die letzten Geheimnisse dieser Berufsgruppe gelüftet werden konnten.
Ein Pizza Bote, der aus Angst um seinen Arbeitsplatz, lieber anonym bleiben möchte, packt nun aus und berichtet über Arbeit, Kunden und Verdienst.
Wie kommt man eigentlich auf die Idee Pizza Bote zu werden?
"Hierfür braucht es nicht viel Idee. Am ehesten könnte man sagen, ich war jung und brauchte das Geld. Wichtig für mich war, ein wenig Kohle neben der Ausbildung zu verdienen und eine möglichst eigenständige Zeiteinteilung."
Welche Voraussetzungen benötigt man?
"Da braucht es auch nicht viel. Einen Führerschein, ein wenig Grips und die Gewissheit nicht reich damit zu werden. Dies sind die besten Voraussetzungen um in dieser Sparte Fuß zu fassen."
Wenn Du sagst, reich wird man nicht. Wie viel verdient man in diesem Job?
"Also ohne Trinkgeld ist es knapp über 6 Euro die Stunde und an schlechten Tagen, ich meine, wenn nicht die Freigiebigkeit der Kunden über einem hereinprasselt, bleibt es dann auch dabei."
Wann verdient man dann am besten?
"Es kommt eigentlich immer auf die Kundschaft an. Zu Mittag ist zwar immer viel los, da bestellen aber vorallem Firmen und das oft in größeren Mengen. Da fällt nicht viel Trinkgeld ab, da aus der Kassa bezahlt wird. Abends läuft es da schon bedeutend besser und nach dem Ersten sind die Leute auch noch freigiebiger. Gegen Monatsletzten nehmen die Bestellungen ab, es wird weniger bestellt und Trinkgeld gibt es auch weniger. Ist also wirklich so, wie es sich ein jeder denkt."
Wenn Du an die peinlichste Situation denkst, was fällt Dir dazu ein?
"Einmal lieferte ich zu einem Haus und als ich draußen am Zaun läutete, kam ein Mann mit einem Bademantel bekleidet heraus. Aus irgendeinem Grund hatte er es eilig und lief mir entgegen, dabei öffnete sich sein Mantel und Du wirst es nicht glauben, er war splitterfaser nackt. Ich schaute schnell in die Luft und sagte, das macht 14,50 und hielt dabei die Hand hin. Mit verwunderten Blick schaute er mich an und fragte: Haben Sie ein Problem mit Nacktheit? Daraufhin fiel mir nichts mehr ein. Ich nahm mein Geld und machte mich von den Socken."
Sachen gibts, unglaublich.
Wen würdest Du als Deinen kuriosesten Kunden bezeichnen?
"Einer, den beliefere ich immer am Wochenende, der bestellt immer zwei Essen und 6 Flaschen Mineral."
Und was ist daran so kurios?
"Hör mal, der Typ wohnt alleine, bestellt um sieben am Abend Essen bis zum Anschlag und kommt nur mit einer Boxer Short bekleidet an die Türe. Und für was braucht der 6 Flaschen Wasser?"
Wieso glaubst Du, ist er alleine?
"Na, hätte er eine Freundin würde er sicher kein Wasser bestellen! Der sitzt jedes Wochenende die ganze Nacht am Computer und spielt oder macht sonst was. Aber was soll's, das Trinkgeld ist immer der Hammer und da stellt man auch nicht zu viele Fragen."
Bestellen eigentlich nur junge Leute bei Dir?
"Nein natürlich nicht, es gibt auch welche im durchaus fortgeschrittenen Alter.
Bei denen weiß man oft nicht, ob sie nur zu faul zum selber kochen sind oder sie für kurze Zeit Gesellschaft haben wollen. Wie auch immer, ich beliefere da öfter mal eine Frau, bei der ich durchaus auch schon das Essen angerichtet, das Wechselgeld zusammengesucht und auch wieder den Mist mitgenommen habe. - Das kann manchmal auch ein wenig länger dauern, aber was tut man nicht alles für seine Kundschaft. :)"
Abschließend sei mir noch die Frage erlaubt? Welche grundlegenden Erkenntnisse gewinnt man in dieser Berufssparte und vorallem was können unsere Leser noch als Geheimnis zum Prahlen am Biertisch mitnehmen?
"Generell würde ich sagen, das mehr Bestellungen aus höheren Stockwerken, ab dem 4. Stock, aufgegeben werden. Also je höher man wohnt, desto mehr möchte man, dass ein anderer den weiten, erschwerlichen Weg mit dem Essen macht."
Danke für das Interview und die überaus interessanten Einblicke in eine Berufswelt, die vielen von uns so nicht bewusst war.

und wie nicht anders zu erwarten wieder ein super bericht von dir
lg
alex