Der Direktor bricht die Verkrustung auf
Museumsdirektor Thomas Jerger gibt seine Pläne für das Landesmuseum preis.
Seit einem Monat ist der 39-jährige Salzburger Thomas Jerger neuer Direktor des Kärntner Landesmuseums. Der mit einem Fünf-Jahresvertrag ausgestattete Museumsexperte will mehr als bloß „bewahren“ und „sammeln“ – sein Ziel ist es, das komplette Haus neu zu gestalten. „Ich will versuchen, verkrustete Strukturen, die im Haus herrschen, aufzubrechen.“ Was Jerger beschäftigt, ist die Frage: „Was ist ein Museum im 21. Jahrhundert?“ Folglich lautet seine Antwort, „ein besucherorientiertes Museum zu schaffen mit einer topmodernen, innovativen Infrastruktur.“ Voraussetzung dafür ist ein neues Zentraldepot, das er bereits sucht, um die Kulturgüter sichern und Raum im Haupthaus schaffen zu können.
Sanierung bis 2012
Damit soll Platz geschaffen werden, um ein Museum zu gestalten, das auch einen Gegenwartsbezug in den Ausstellungen aufweist. Der Zeithorizont zur Sanierung des vorhandenen Hauses ist entsprechend langfristig: „Der Veränderungsprozess wird bis 2020/2021 brauchen.“
Jerger will bis dahin im Haupthaus „optimale Bedingungen herstellen“, in der Folge auch bei den Außenstellen. „Ich möchte die Qualität im ganzen Betrieb verbessern.“ Zwar sei bereits auch bisher versucht worden, im Landesmuseum Impulse zu setzen – was aber nicht gelungen sei, ist, das Gebäude selbst zu sanieren: „Und ohne das wird es nicht gehen.“
Rudolfinum im Fokus
Bereits deutlich früher, 2014, begeht das Landesmuseum seinen 130. Geburtstag: Unter dem Titel „Museum im Zentrum“ soll zum Jubiläum das Haupthaus „Rudolfinum“ ins Zentrum gerückt werden: „Das Museum soll mehr Aufmerksamkeit erfahren“, wünscht sich Jerger.
Dem Museum selbst will Jerger eine Sammlungsstrategie verordnen. Auch im Bereich der Besucherforschung will er neue Impulse setzen – „wir wollen genau wissen, wer unsere Besucher sind.“ Eine kurzfristige Maximierung der Besucherzahl sei jedenfalls nicht das deklarierte Ziel: „Ich bin nicht angetreten um innerhalb kurzer Zeit die Besucherzahlen um 50 Prozent zu steigern.“
Zur Sache:
Eines der Lieblingsmuseen Thomas Jergers ist das „Lebensspuren-Museum“ – ein Museum der Siegel und Stempel – in Wels in Oberösterreich.
Autor: Uwe Sommersguter
