Weil’s Leben eine Reise ist …

Helmuth Santler (Foto: KK)
 
Gertrud Ihne kurz vor ihrer Abreise (Foto: KK)

Was passiert, wenn eine Villacherin auf (Welt-)Reisen geht, dokumentierte Helmuth Santler in seinem Buch:

Als „Die Reise Leben“ bezeichnet der Autor sein Werk. Es ist eine Reise, auf die sich der Draustädter Publizist Helmuth Santler begab. Zumindest passiv. Er zeichnete die Lebensgeschichte der Villacherin Gertrud Ihne auf. Warum? „Es ist eine schöne Sache, über einen Menschen so viel zu erfahren“, sagt er. Lange habe er überlegt, ob er die Erinnerungen Ihnes zu Papier bringen möchte – und schließlich eingewilligt. Santler sagt: „Jede Sache kann interessant werden, wenn man sich lange genug damit beschäftigt.“ – Das freilich ist nur die halbe Wahrheit.

Tatsache nämlich ist, dass Ihnes Leben alles andere als durchschnittlich, normal oder herkömmlich ist. Sie wollte nie Englisch lernen, weil sie die Sprache nicht brauchte. Als junge Frau in den 60er-Jahren – beseelt von dem Wunsch, Stewardess zu werden – wandert sie dennoch in die USA aus, um für den Traumberuf die Sprache zu lernen. „Auf dem Schiff, mit dem sie auswandert, lernt sie die Liebe ihres Lebens kennen“, erzählt Santler. Mehr als 30 Jahre verbrachte die Kärntnerin – gemeinsam mit Kurt – schließlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und machte drei Weltreisen.
Und: „Sie hat sich stets neu erfunden.“ Sie habe nie länger als zwei Tage benötigt, um einen Job zu finden. Vom Hausmädchen über Buchhalterin bis hin zur Chefin über 500 Mitarbeiter. Danach übernahm sie mit ihrem Mann eine Pizzeria, weil er in seinem Job als ehemaliger Soldat in einer Steuerbehörde nicht glücklich war. Übrigens: Stewardess war sie nie.

Ihne war und ist – so Santlers Urteil nach mehr als zwei Jahren Arbeit an dem Buch – also eine Abenteurerin und in ihrem Mann Kurt fand sie einen Seelenverwandten. „Dieser Optimismus, der die beiden durch das Leben getragen hat, ist erfrischend“, nennt Santler die Botschaft seines Buchs. „Es ist nie zu spät, etwas Neues anzufangen – es ist den Versuch wert, egal ob mit 15 oder 75 Jahren.“

Nun ist Ihne wieder in Kärnten, wollte ihre Lebensgeschichte aufschreiben – „in Gedenken an Kurt“. Santler hat sich gerne zur Verfügung gestellt. „Ich habe die Geschichte in ein historisches Umfeld gebettet“, erzählt er von seiner Arbeit. Villach in den 60er-Jahren, mit all seinen Veränderungen bis heute. Und: „San Franzisko zur Hippie-Zeit – das kennt man ja nur aus Legenden.“ Ihne war dabei, Santler hat sich die Episoden angehört und Leser des Buchs können die Reise nun auch antreten. Erhältlich ist „Die Reise Leben“ in den Kärntner Buchhandlungen in Klagenfurt und Wolfsberg.

Mehr Infos auf: www.textmaker.at.


Erinnerung und Aufarbeitung
„Die Abenteuerlust hat mir sicher mein Vater vererbt“, weiß die Villacherin Gertrud Ihne, die sich als 23-Jährige auf den Weg in die USA machte, um Stewardess zu werden: „Auf dem Flug von New York nach San Franzisko gab es plötzlich Turbulenzen und die Sauerstoff-Masken fielen herunter. In diesem Moment wusste ich, der Beruf Stewardess hat sich für mich erledigt“, erinnert sich die 68-Jährige.
Nach dem Tod ihres Mannes Kurt, „meiner großen Liebe“ – wie sie sagt – kehrte sie nach 31 Jahren im Ausland wieder nach Villach und zu ihren Wurzeln zurück. Denn: „Meine Mutter hat damals ihren 90. Geburtstag gefeiert und mein Bruder meinte: ,Komm heim!’“ Und es war gut so, ihre Mutter gab ihr nach Kurts Tod viel Kraft.
Mit dem Buch „Die Reise Leben“ wollte Ihne die Erinnerungen an ihr Leben mit Kurt festhalten und dessen Tod aufarbeiten: „Ich habe mir einen PC gekauft und begonnen zu schreiben.“
Dass Ihne seither nicht mehr in den USA war, wird sich ändern: „Im Frühjahr 2011 ist eine Reise zu Freunden geplant. Endlich.“

Autor: Gerd Leitner

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