,Realistisch gesehen gibt es keine Chance“

Seit 33 Jahren steht Franz Stockinger an der Spitze der Kärntner Meteorologen. Nun geht er in Pension (Foto: Eggenberger)

Kärntens oberster Wetterfrosch, Franz Stockinger, geht im Mai in Pension.

Franz Stockinger (64) – er ist Leiter der Kärntner Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) – tritt nach 33 Jahren am 1. Mai in den Ruhestand.

WOCHE: In den letzten Wochen war es besonders kalt – eine außergewöhnliche Situation?
STOCKINGER: Wir hatten tatsächlich sehr kalte Tage durch den Nordwind, aber jetzt geht es wieder bergauf mit der Luft vom Atlantik. Aber es gab schon immer Kälteperioden. 1971 waren es 16, 1985 21 Tage und 2006 19 Tage. Heuer sind es 15 Tage gewesen.

Wie wird sich das Klima verändern?
Es wird einen weltweiten Temperaturanstieg geben, der ja schon begonnen hat. An den Polen merkt man es am deutlichsten, das Eis schmilzt. Schuld ist definitiv die hohe CO²-Ausschüttung. Ein Elektroauto ist da keine Lösung. Das meiste CO² verbrauchen wir zum Beispiel beim Heizen mit Öl, Gas und Kohle. Und der asiatische Markt beginnt ja gerade erst.

Der Meeresspiegel steigt?
Ja. Die Menschen auf den Malediven beginnen zum Beispiel bereits jetzt die Inseln zu verlassen. Denn es ist unausweichlich, dass es die Malediven bald nicht mehr geben wird.

Können wir daran noch etwas ändern?
Wenn man sich die Resultate des Klimaschutzes realistisch ansieht, sehe ich keine Hoffnung. Es tut sich nichts! Da kann kein Einzelner helfen, da muss weltweit eine Veränderung stattfinden. Aber wie gesagt, der asiatische Markt startet gerade erst und die USA und Kanada zeigen auch keinerlei Interesse. Ich bin kein Schwarzmaler, aber realistisch gesehen sehe ich keine Chance.

Die Konsequenzen im Detail?
Es wird weltweit zunehmend heißer und trockener werden. Die Bauern und Landwirte werden keine Ernte mehr einfahren, es wird also immer weniger zu essen geben. Ein großer Hungerausbruch ist die Folge. Das bedeutet eine enorme Völkerwanderung in Richtung Norden.

Wie stehen Sie zu Aussagen, der Klimawandel sei ein natürlicher, zyklischer Vorgang?
Diese Diskussion ist vom Tisch, denn die derzeitige Entwicklung ist signifikant und einzigartig, also künstlich und von uns selber geschaffen!

Wie sind Sie zur Meteorologie gekommen?
Ich habe in Innsbruck studiert. Nach ein paar „Wanderjahren“ kam ich zur ZAMG in Wien. Und ein Jahr später, 1979, wurde mir die Leitung in Klagenfurt angeboten, die ich mit Freuden angenommen habe. Außerdem ist unsere Regionalstelle eine kleine, überschaubare Gruppe. Wir haben zwölf Mitarbeiter.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders?
Das Wetter kann ziemlich viel! Bei uns geht es ja nicht nur um die Wetterprognose. Oft müssen wir auch Gutachten erstellen – egal ob fürs Land oder für private Personen. Man trifft sehr viele Menschen und ist nicht nur im Büro. Die Aufgabenstellung breit gestreut. Immer wichtiger werden auch die Wetterwarnungen über SMS oder diverse Apps für Telefone.

Welche Rolle spielt die Technik in Ihrer Arbeit?
Die Meteorologie ist eine Wissenschaft und gleichzeitig von der Technik abhängig. Das Wetter selbst ist berechenbar, denn es folgt physikalischen und chemischen Gesetzen. Nichts ist zufällig. Das Problem besteht in der Berechnung. Momentan sind die Prozessoren am Limit. Aber die Zukunft heißt Parallel-Processing. Je mehr Prozessoren wir verwenden, desto mehr Daten können berechnet werden.

Freuen Sie sich auf die Zeit nach dem 1. Mai?
Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich mag meine Arbeit und die Kollegen sehr und werde meinen Arbeitsplatz vermissen. Selbstverständlich bekommt nun die Freizeit einen höheren Stellenwert, aber ich habe keinen präzisen Plan aufgestellt. Die oft gewünschte Weltreise steht nicht an erster Stelle. Etwas Sport, Theater und ganz viel Zeit für meine vier Enkel.


Autorin: Carmen Kassekert

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Peter Sohar aus Graz am 24.02.2012 um 19:12 Uhr  
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