Die E- Boote stauen sich!

Ein Elektroboot á la Wolfgang Schmalzl: Der Veldener Schiffsbauer bietet seine „Julika“ – je nach Ausstattung zwischen 60.000 und 130.000 Euro an (Foto: KK/Bauer)
 
Eine Spritztour auf dem See: Andreas Kenda mit Sohn Maximilian (Foto: KK)

Trend zu Elektrobooten nimmt auf Kärntens Seen zu. Experten warnen vor hohem „Verkehrsaufkommen“.

Was gibt es Schöneres als ein Haus am See? Stimmt! Ein Haus am See und ein Boot im Wasser: Am Wörthersee haben 338 Bootseigner – darunter Event-Profi Hannes Jagerhofer, Dachdeckermeister Xandi Leopold und die Milliardärswitwe Ingrid Flick – eine private Motorboot-Lizenz und somit die Erlaubnis vergnügt am türkisblauen Wasser dahinzubrausen. Die Anzahl dieser Lizenzen ist strengstens limitiert.

Verkauf unter der Hand
Diese Limitierung soll nicht nur Schwimmer vor Schiffsschrauben, sondern auch Flora und Fauna vor starkem Wellenschlag schützen. Daher gibt es auch keine Neuzulassungen, nur der Erwerb eines bereits zugelassenen Bootes ist möglich. Jährlich sind maximal 15 Lizenzen vakant. Da ist es wenig verwunderlich, wenn eine Lizenz am Privatmarkt für stolze 200.000 bis 300.000 Euro „so unter der Hand“ ihren Besitzer wechselt.
Wer sich die „Aktie“ Motorboot-Lizenz und dazu noch ein prachtvolles Boot leisten kann, den sollte auch in Zeiten wie diesen die Wirtschaftskrise nicht wirklich beuteln.

Lizenzfreies Elektroboot
Der Veldner Bootsbauer Wolfgang Schmalzl hat vorgesorgt und bietet mit seinem Elektroboot „Julika“ eine schnelle und umweltschonende Alternative. Mit dem Elektroboot kann man lizenzfrei und (noch) ohne die Bezahlung einer Motorbootabgabe strombetrieben mit 47 km/h, also nur 3 km/h unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit, über den Wörthersee flitzen, womit sich auch das leidige Lizenz-Thema perfekt umschiffen lässt.
Nahezu perfekt: „Auch Elektroboote brauchen einen Liegeplatz am See, sie regulieren sich in ihrer Anzahl praktisch von selbst“, erklärt Renè Mureny, der mit seinem Boot-Sortiment speziell sportliche Motorbootbesitzer, also Wasserskifahrer und Wakeboarder, begeistert. Die Preise für ein Sportboot beginnen bei rund 40.000 Euro, nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt.
Bei den Elektrobooten bestimmt die Batterieausstattung die Reichweite des Bootes. Wer beim Kauf dabei spart, für den heißt es nach etwa 25 Kilometern „ab an die Steckdose“. Dafür ist das Boot nach etwa sechs Stunden Ladezeit wieder startklar für die nächste Spritztour, die „Tankfüllung“ ist um acht Euro vergleichsweise ein Schnäppchen, auch wenn Elektroboote in der Anschaffung generell etwas teurer sind.

E-Boot um 130.000 Euro
Schmalzls Julika kostet – je nach Ausstattung – zwischen 60.000 und 130.000 Euro. Und auch ihre Leistung kann sich sehen lassen: „Eine Runde in Gleitfahrt mit 35 km/h um den Wörthersee ist problemlos möglich, außerdem ist das Boot sogar wasserskitauglich.“
Schmalzl sieht der Zukunft positiv entgegen: „Natürlich geht die Wirtschaftskrise auch an unserer Branche nicht spurlos vorüber, trotzdem sind wir ganz gut im Geschäft“, so der Veldener Bootsbauer und Präsident des Motoryachtclubs.

„E“(-Boot) wie explosiv
Jeder Elektroboot-Besitzer muss sich bewusst sein, dass er mit der Batterie eine gefährliche Fracht an Bord hat: Der Motor eines Elektrobootes wird von Lithium Polymer-Akkus gespeist. „Das Hauptproblem bei diesen Akkus ist das Lithium, welches sehr instabil ist und auf Wasser unter Entwicklung von Wasserstoff sehr aggressiv reagiert. Wasser im Boot kann die teuren Akkus beschädigen – bis hin zur Brand- und Explosionsgefahr“, weiß Physikprofi Andreas Kenda von der gleichnamigen Wasserski- und Motorbootschule.
Er kann dem Trend zu Elektrobooten nicht nur Positives abgewinnen: „Aufgrund der verstärkten Nachfrage nach Elektrobooten spüren wir einen enormen Zustrom an Schülern, die das Schiffsführerpatent erwerben möchten.“ An Spitzentagen merke man bereits, dass „die Kapazitätsgrenze des Sees nahezu erreicht ist“.
Der starke Verkehr ist nicht nur für Schwimmer gefährlich, der massive Wellenschlag aufgrund zu vieler Boote ist auch für Flora und Fauna ungesund: Das Leben von Pflanzen und Tieren im Wasser und an den Uferbereichen wird dadurch erheblich beeinträchtigt. In dieser Hinsicht sitzen nicht nur Reich und Schön, sondern wir alle im selben Boot.


Lizenzen
Wörthersee: 388 private und 49 gewerbliche Lizenzen.
Ossiacher See: 28 private und elf gewerbliche Lizenzen.
Millstätter See: zwei private und 16 gewerbliche Lizenzen.
Weißensee: Keine Privat-Lizenz und zwei gewerbliche Lizenzen.

Anja Skribot

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