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14.10.2008 16:22 Uhr

„Polit-Fairness!“

Gerhard Dörfler ist vom BZÖ als Landeshauptmann-Kandidat nominiert. Der Landtag wird voraussichtlich am 23. Oktober die Wahl vornehmen.

43Doerfler  - Dörfler will Haider als Landeshauptmann nachfolgen – der Landtag entscheidet
Dörfler will Haider als Landeshauptmann nachfolgen – der Landtag entscheidet

 

WOCHE: Wer war Jörg Haider für Sie persönlich, welcher Verlust ereilte Kärnten?
Dörfler: Er war ein Landeshauptmann, der die Menschen und das Land geliebt hat und 24 Stunden am Tag für die Menschen da war. Er wollte ein offenes, ein selbstbewusstes, ein modernes Kärnten. Konkret habe ich ihn 1979 als Sportfunktionär in einer Krisensituation kennen und schätzen gelernt. Ich habe einen Freund verloren, der großzügig, verständnisvoll war. Der mir einen Sprung möglich gemacht hat, den ich nie geplant hatte und dank ihm nie als Risiko empfunden habe.

Welches ist sein politisches Vermächtnis?
Er hat seinen engen Kreis, den Harald Dobernig, den Stefan Petzner, Uwe und Kurt Scheuch sowie mich, immer wieder spontan zusammengeholt und immer wieder eingestreut, „ihr werdet einmal die Verantwortung übernehmen, mein Erbe antreten.“ – Das ist sein Vermächtnis. Auf diese Kernfreundesgruppe hat er großen Wert gelegt. Diese will seinen Stil von Politik, seine Projekte, seine Ideen weiter tragen.

Er hat diesen Kreis bereits damit konfrontiert, dass eine Zeit ohne ihn kommen wird?
Er hat zumindest immer gesagt, wir haben alle eine Mission zu erfüllen. Und auf die Freundschaft hat er großen Wert gelegt. Er war 100 Prozent Politiker, sein Vermächtnis lautet: Es muss den Menschen besser gehen, er war der größte Sozialpolitiker.

Gibt es den Mythos Jörg Haider?
Er ist Mythos. Wenn eine Frau gesagt hat, es ist so traurig wie bei Lady Di, dann sage ich: Er ist der James Dean der Politik. Ich hätte mir gewünscht, dass er erst in 30, 40 Jahren als weiser alter Mann Mythos wird, aber er ist es bereits, das spürt man. Allein diese Betroffenheit, dieses Mitgefühl, dafür musst du ein Mythos sein.

Was hat er in Kärnten verändert?
Kärnten ist offener geworden durch ihn. In Wahrheit hat Jörg Haider in Kärnten Demokratie eingeführt. Andersdenkende, die nicht der mit Allmacht regierenden Partei angehörten, waren früher zweite Kategorie.

Das BZÖ in Kärnten steht hinter Ihnen?
Das kann man mit Fug und Recht so sagen. Die vielen SMS, Anrufe, Mails zeigen das, wer mich nicht erreicht hat, hat bei meiner Frau angerufen. Was mich besonders gefreut hat: Die Mutter Jörg Haiders hat gestern zu mir gesagt „Ich muss mit dir per du sein“, obwohl ich sie erst einmal getroffen habe, bei einer Veranstaltung vor zwei, drei Jahren. Sie sagte: „Ich hab dich damals sehr genau beobachtet.“ Jetzt war es ihr ein Bedürfnis, mich zu duzen.

Sind Politiker nicht generell zu schnell unterwegs, muten sich zu viel zu?
Es muten sich alle zu viel zu. Die Grundlage dafür wird bei der Finanzkrise sichtbar: die maßlose Gier. Man muss sich ernsthaft die Frage stellen: Sind wir überhaupt für diese Geschwindigkeit geeignet? Wir fahren mit einem Zug mit 400 km/h durch die Landschaft und sehen die Landschaften nicht mehr. Es stellt sich die Frage, ob wir nicht alle generell überfordert sind.

Welche Lehren ziehen Sie daraus?
Ich werde mir auch in Zukunft meine Stunde am Morgen nicht nehmen lassen. Ich bin Frühaufsteher, im Sommer um 5.15, im Winter um 5.45. Nachdem meine Frau gerne um eine Stunde länger schläft, ist das meine Stunde. Das ist meine Krafttankstelle.

Wofür stehen Sie politisch eigentlich?
Ich stehe für eine Breite, gegen extreme Positionen, egal ob links oder rechts. Politik hat neue Herausforderungen zu bewältigen – die Umwelt, der Klimawandel, die Finanzkrise, diese überbeschleunigte Welt in Summe. Die Farbe Orange ist ja auch was Buntes, das ist ein Signal, dass die Politik neue Antworten braucht.

Andreas Mölzer hat ziemlich klare Avancen für eine Wiedervereinigung von BZÖ und FPÖ gemacht.
Zumindest ein Zusammenrücken, in welcher Form auch immer, signalisieren die Wähler, aber auch die Denker in der FPÖ, die mit HC Strache nicht die große Zukunft sehen. Politik bedeutet für mich nicht, die kantigen Positionen der Extreme zu vertreten, sondern die Politik des neuen Jörg Haider auch als zukünftiges Angebot an die Wähler zu richten.

Ist die Große Koalition tatsächlich näher gerückt, wie Kommentatoren meinen?
Für mich ist diese mittlere Koalition nicht gegessen. Die ÖVP nützt einmal den Schmollwinkel aus, wenn sich Faymann bewegt, dann zerreißt es ihm die Partei. Faymann wird draufkommen müssen, dass die Schuhe Gusenbauers nicht ganz klein waren.

Der neue Landeshauptmann wird vom Landtag gewählt – ist es vorstellbar, dass dies jemand anderer als BZÖ-Kandidat Dörfler sein wird?
Es ist eine Verpflichtung, dass die stärkste Partei den Landeshauptmann stellt. Auch aus Pietät Jörg Haider gegenüber und aus Politfairness. Ich komme aus dem Sport, dort ist der Sieger der Erste. Und das sollte auch die Politik akzeptieren.

Die Landtagswahlen finden statt wie geplant?
Die sind für Februar, März 2009 geplant.

U. Sommersguter

 

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