Die Bosse schießen gegen Liga und Co.

99ers-Präsident Jochen Pildner-Steinburg fordert von Liga und Verband endlich Taten. (Foto: GEPA)

Und jährlich grüßt das Murmeltier. Im Eishockey der rot-weiß-roten Alpenrepublik geht’s wieder drunter und drüber. Aber so schlimm wie heuer war’s irgendwie noch nie. Nicht nur der zweithöchsten Spielklasse, der Nationalliga, droht der Zerfall. Die Farmteams sollen nächstes Jahr bekanntlich in einer eigenen U-20-Liga spielen, Innsbruck kokettiert mit dem Einstieg in die italienische Serie A. Auch in der EBEL geht’s rund: Trotz einer Jubelmeldung über die Attraktivität der Liga (die sich hauptsächlich auf Publikumsmagnet Zagreb stützt) nach der anderen, hängt der Haussegen schief. Die (zum Teil selbst ernannten) Top-Teams aus Salzburg, Wien oder auch Zagreb streben nach einer größeren europäischen Liga – der Rest kann und will da nicht mehr mit. Und dazu stürzte der österreichische Nachwuchs in die Bedeutungslosigkeit ab.
„Wir reiten einfach tote Pferde und werden es auch im siebenten Versuch nicht schaffen, das Pferd auf die Beine zu stellen“, nimmt sich 99ers-Boss Jochen Pildner-Steinburg in gewohnter Manier kein Blatt vor den Mund.

„EBEL macht die Augen zu“
„Es ist leider so, dass es der österreichische Verband schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten verabsäumt, ordentliche Strukturen zu schaffen. Auch die Liga ist gefordert. Es kann ja nicht sein, dass wir Kroaten, Slowenen und Ungarn Jahr für Jahr stärken – die österreichischen Vereine und unser Nationalteam aber auf der Strecke bleiben. Ein Wahnsinn ist ja auch, dass uns Zagreb mit den vielen Ausländern so einfach um die Ohren fährt, nur weil man sich dort nicht an die Regeln hält – und die Liga macht einfach die Augen zu. Es muss etwas passieren, sonst passiert sicher etwas.“
Was er damit meint, ist klar: Der EBEL droht die Spaltung. „Es ist hier eine Bewegung im Gange, die einfach nicht gut ist. Wien-Präsident Hans Schmid hat es geschafft, mit seinen tollen Interviews und Forderungen die Liga zu teilen. Wir haben aber einen Plan B in petto. Und ich kann sagen, dass da einige namhafte Vereine mitziehen würden.“
Rückendeckung bekommt Steinburg von seinem Grazer Amtskollegen Fritz Maier. Der ATSE-Präsident hätte ob des tollen Laufs und Platz eins in der Nationalliga momentan allen Grund zur Freude – irgendwie will sich die aber nicht so recht einstellen. „Die Nationalliga zerfällt Schritt für Schritt und wir erfahren davon aus den Medien. Vom Verband hat sich noch nie jemand gemeldet, ob und wie es weiter geht. Außer der regelmäßigen Schiri-Rechnung hält sich der Kontakt zum ÖEHV ja überhaupt in Grenzen ...“

„Vernünftiger Schritt“
Wegen der Unsicherheit denkt man beim ATSE laut über einen Einstieg in die oberste slowenische Liga nach. „Wir müssen uns ja bitte nach Alternativen umschauen. Oder kann mir irgendjemand erklären, wo wir nächste Saison spielen sollen –etwa in der Tiroler Eliteliga? In Österreich läuft einfach so vieles falsch. Nur ein Beispiel: Beim Match gegen das Farmteam des großen KAC in Klagenfurt hat unser Zeugwart für die jungen Kärntner die Schuhe schleifen müssen – was geht denn da ab? Und dazu machen in der EBEL ein paar Geldhaie unseren Sport kaputt“, feuert auch Maier harte Worte in Richtung Salzburg und Co. ab.
Eine Vorlage, die Steinburg gerne vollendet: „Bleiben wir bei den Wienern. Die sind mit dem dreifachen Budget von uns auch nicht viel weiter als wir. Überall auf der Welt ist, in Zeiten wie diesen, massives Sparen notwendig. Nur im Sport glauben alle, dass man sich Titel und Siege erkaufen muss – eine Krise gibt’s da einfach nicht.“
Die Überlegungen Innsbrucks, nach Italien abzuwandern, sind für den 99ers-Boss logisch. „Das ist einfach der Schritt eines vernünftig handelnden Präsidenten.“ Ein erster Schritt aus dem Dilemma in der EBEL wäre für Maier, „die Einführung einer Budgetobergrenze.“ Wobei dies bei den „Gentlemen“ in Österreichs Eishockey wohl ein frommer Wunsch bleibt ...

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