Ortskaiser-Rabatt für Luxusautos
Fährt Ihr Ortschef neuestens einen Luxusschlitten der Marke BMW? Wir kennen möglicherweise einen der Gründe dafür: Bürgermeister und Vizebürgermeister erhalten aufgrund einer Sondervereinbarung des Österreichischen Gemeindebunds mit der Nobelmarke „höchst interessante Nachlässe auf den Großteil der BMW-Modellpalette“. So steht’s im Bürgermeisterbrief (siehe Faksimile), unterzeichnet von Gemeindebund-Präsidenten Helmut Mödlhammer und Generalsekretär Robert Hink.
Dabei handelt es sich wohlgemerkt um kein Angebot für Dienstautos, sondern um ein „funktionsgebundenes Angebot für die private Nutzung und Zulassung“, wie dem Schreiben zu entnehmen ist. Alles, was man als Ortschef dafür tun müsse, ist, den BMW-Händler „seines Vertrauens“ zu kontaktieren und schon gibt’s die Luxuskarosse zum Schnäppchenpreis. Das bestätigt man auf Nachfrage der WOCHE auch im Gemeindebund: „Aktive Bürgermeister und Vizebürgermeister erhalten 20 Prozent Rabatt.“ Und das übrigens schon das zweite Jahr hintereinander ...
Ein tolles Angebot, sollte man meinen. Trotzdem: Nicht alle Ortschefs begrüßen es. Gerade in Zeiten einer Affäre Strasser, in denen man mit Händen und Füßen um mehr politische Sauberkeit ringt, sorge ein solches Angebot für eine äußerst schiefe Optik. Der Gemeindebund habe andere Aufgaben zu erfüllen, als fragwürdige Rabattaktionen auszuhandeln, hört man hinter vorgehaltener Hand. Ein Bürgermeister übt sogar offene Kritik: Peter Gspaltl, Chef der steirischen Gemeinde Grambach: „Ich distanziere mich von diesem Angebot! Wir Bürgermeister haben es so schon schwer genug. Da können wir auf eine solche Aktion, die uns nur ins schlechte Licht rückt, gerne verzichten“, ärgert sich Gspaltl.
Beim Gemeindebund versteht man die Kritik nicht. „BMW hat uns und nicht umgekehrt kontaktiert. Wir wären ja dumm, ein solches Angebot nicht auszuschicken.“
