Kleine gewinnen, Große verlieren
Politik interessiert die Menschen nicht mehr“, lautet eine weitverbreitete Meinung. Ob diese auch für Graz zutrifft? Die WOCHE ist der Frage nachgegangen und hat quasi zur Halbzeit der Gemeinderatsperiode einen Rundruf unter den Parteizentralen gestartet. Wir wollten wissen, wie sich der jeweilige Mitgliederstand seit der letzten Wahl verändert hat – mit höchst interessanten Erkenntnissen.
Für immerhin 15.678 Grazer trifft die Beschreibung Politikverdrossenheit mit Sicherheit nicht zu, sie „outen“ sich als Mitglieder einer Partei. Die unangefochtene Nummer eins ist dabei die ÖVP mit aktuell 8.904 Mitgliedern (siehe oben). Kein Wunder, dass der Geschäftsführer der Grazer Volkspartei, Bernd Schönegger, zufrieden ist: „Insgesamt, und das zeigen die Zahlen, sind wir relativ stabil in der Nähe des Höchststandes von 2008. Das ist ein absoluter Spitzenwert in der Geschichte der Grazer Volkspartei, zumindest in den letzten 20 Jahren.“
Viel Arbeit wartet dagegen auf sein rotes Pendant Doris Klammer, designierte Bezirksgeschäftsführerin der SPÖ. Die Stadtroten haben in den vergangenen drei Jahren nämlich fast jedes fünfte Mitglied verloren, und zwar exakt 1.120. Auch wenn Klammer diesen Schwund in erster Linie auf „natürliche Abgänge“ (Todesfälle) und „Übertritte in andere Ortsorganisationen“ zurückführen will, der parteiinterne Machtkampf zwischen Wolfgang Riedler und Elke Edlinger hat sicher das Seinige dazu beigetragen ...
Große Gewinner sind die Kleinparteien. Sowohl FPÖ als auch Grüne, KPÖ und BZÖ verzeichnen durch die Bank große Zugewinne. „Was uns besonders freut, ist der starke Zulauf an Jugendlichen, obwohl wir aktiv keine Mitgliederwerbung betrieben haben“, betont FP-Chef Mario Eustacchio. Ähnliches weiß auch der Vorstandssprecher der Grünen, Wolfgang Raback, zu berichten: „Die Menschen kommen aktiv auf uns zu. Wir wollen sie jetzt noch stärker an uns binden.“
