Großparteien verlieren am Land

Die SPÖ feierte mit LAbg. Franz Schleich (4.v.r.) im Volkshaus in Feldbach.
 
Noch ist es nicht sicher, ob der Wunsch der Radkersburger SPÖ in Erfüllung geht.

SPÖ und ÖVP verlieren in den Bezirken, aber es gibt wohl kein Sesselrücken unter den Abgeordneten.

Fast eine Million Wahlberechtigte wurde im Steirerland zum letzten Mal in diesem Jahr zur Urne gerufen – so viele wie noch nie zuvor. Bis zuletzt war der Wahlsonntag an Spannung nicht zu überbieten. Obwohl die SPÖ trotz Verlusten einen knappen Vorsprung vor der ÖVP retten konnte, stellt sie nicht automatisch den Landeshauptmann. Der Wahlkrimi ist noch nicht vorbei. Sowohl die Sozialdemokraten als auch die Volkspartei mit jeweils vier Landesräten könnten mit der FPÖ gemeinsame Sache machen. Die Freiheitlichen schafften den Sprung in die Landesregierung, sprengten die Absolute der SPÖ und spielen nun das Zünglein an der Waage. Der FPÖ kommt eine Schlüsselrolle bei der Wahl des Landeshauptmannes zu.
Die Verluste von SPÖ und ÖVP und der Zugewinn der FPÖ spiegeln sich auch in den Bezirksergebnissen von Feldbach, Fürstenfeld und Radkersburg wider. Nur der südliche Grenzbezirk tanzt ein wenig aus der Reihe. Steiermarkweit einzigartig konnte die SPÖ in Radkersburg nämlich leicht zulegen. Ansonsten auch hier dasselbe Bild wie im restlichen WOCHE-Land: Die Grünen stagnieren, das BZÖ konnte unwesentlich dazugewinnen, der Höhenflug der KPÖ ist vorbei, die Christliche Partei Österreichs (CPÖ) landete unter ferner liefen. Wie in den Parteizentralen des Landes wurde das Wahlergebnis auch in den Bezirksbüros heftig diskutiert.

Gemischte Gefühle in Feldbach

LAbg. Josef Ober (ÖVP), Spitzenkandidat für den Bezirk Feldbach, ist enttäuscht: „Ich habe mir im Bezirk mehr erwartet. Unser Problem ist die niedrige Wahlbeteiligung. Wir haben im Bezirk aber auch viele Briefwähler, da könnten wir noch was gutmachen“, analysierte der Abgeordnete. Besonders das überraschend schlechte Abschneiden in Unterlamm schlägt Ober auf den Magen.
Das Minus in der ÖVP-Hochburg beträgt 3,03 Prozent. Im Vergleich zu Glojach (-19,95%) und Frannach (-14,16%) ist die Gemeinde von Bürgermeister Robert Hammer aber noch relativ glimpflich davongekommen. Angelika Neuhold wird aller Voraussicht das Mandat von Walburga Beutl erben.
Die Stimmung im Volkshaus in Feldbach war trotz SPÖ-Verluste im Bezirk bestens. LAbg. Franz Schleich ließ die Gelegenheit nicht aus, Salz in die Wunden der Bezirks-ÖVP zu streuen: „Es wird künftig nicht reichen, sich nur für den Namen Vulkanland starkzumachen.“ Den SPÖ-Erfolg (+4,33%) in der Stadt Feldbach hob der Abgeordnete besonders hervor. In seiner Heimatgemeinde Bairisch Kölldorf büßte er sieben Stimmen ein.

Rotes Plus in Radkersburg

In die Kategorie „kleine Sensation“ lässt sich das Bezirksergebnis der SPÖ in Radkersburg einordnen. Entgegen dem landesweiten Trend konnte die SPÖ hier ein Plus verzeichnen. LAbg. Anton Gangl sieht den Grund darin, dass die SPÖ im Bezirk mit dem Argument warb, dass Martin Weber nur dann als zweiter Abgeordneter des Bezirks in den Landtag komme, wenn die Roten im Vergleich zur letzten Wahl keine Stimmen verlieren.
Auch die geringe Wahlbeteiligung und den Stimmenzuwachs der Freiheitlichen ortete Gangl als Hindernis, warum die ÖVP steiermarkweit hinter der SPÖ blieb. Im Bezirksbüro der Roten wurde das Ergebnis natürlich kräftig bejubelt und man sieht die Wahl als Zeichen, dass das grüne Herz allen Steirern gehört, nicht nur der ÖVP.

Verluste für ÖVP und SPÖ

„Wahlbeteiligung und Ergebnis im Bezirk Fürstenfeld sind enttäuschend. Relativiert werden die Verluste von 1,32 Prozent dadurch, dass die SPÖ über drei Prozent verloren hat“, zeigt sich LAbg. Franz Majcen vom Wahlergebnis enttäuscht. Ausreißer im allgemeinen Abwärtstrend sind die Stadt Fürstenfeld, in der fast die Hälfte aller Wähler für die ÖVP gestimmt hat sowie die Marktgemeinde Burgau mit einem Plus von 7,68 Prozent.
Die SPÖ musste insgesamt im Bezirk Fürstenfeld ein Minus von 3,23 Prozent hinnehmen. Das Landtagsmandat von Klaus Konrad gilt als wahrscheinlich, ist aber noch nicht abgesichert. Konrad ist zuversichtlich, dass sein Landtagssitz nach Auszählung der Wahlkarten erhalten bleibt.
Wahlgewinnerin – wie im gesamten übrigen Bundesland – ist die FPÖ. Mit einem Plus an Wählerstimmen von 5,84 Prozent wurde die Zehn-Prozent-Hürde nur knapp verfehlt.

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