Das Kleine geht groß unter

Glojach, Stein und Trössengraben in St. Stefan verlieren ihre Volksschulen.

Rechnen musste man damit. Doch die Nachricht, dass die eigene Schule geschlossen wird, kam dann doch überraschend. Die Rede ist von den Volksschulen in Trössengraben in der Gemeinde St. Stefan im Rosental, in Stein und in Glojach. Die Unterrichtshäuser fallen dem regionalen Bildungsplan zum Opfer. Die Eltern sind verunsichert, die Bürgermeister aufgebracht – und die betroffenen Kinder werden sich wohl neue Schulfreunde suchen müssen.
Landesweit lassen die Reformpartner 36 Volksschulen schließen. Damit möchte man mehr finanzielle Mittel für größere Einheiten lukrieren. Allerdings: Es handle sich um Qualitätssicherung nicht um Sparmaßnahmen – heißt es aus Regierungskreisen. Ein Merkmal im Kriteriumkatalog fürs Zusperren hat jedenfalls für die Bezirke Feldbach und Fürstenfeld aus Sicht der Betroffenen drastische Folgen. In einklassige Schulen müssen künftig wenigstens 20 Kinder gehen. Und da liegen Glojach, Trössengraben und Stein derzeit weit unter dieser Mindestmarke. Die Ortschefs befürchten freilich Nachteile für ihre Bürger. Sie sehen in den Schließungen lediglich den ersten Schritt zur Einverleibung ihrer Gemeinden. Im Besonderen wird die Vorgehensweise kritisiert.

„Scheinargumente“

9.35 Uhr: Eine E-Mail erreicht Bürgermeister Johann Fuchs. Ihr Inhalt trifft ihn wie ein Keulenschlag. Die Volksschule in Stein muss zusperren. Derselbe Tag, 11 Uhr: In einer Pressekonferenz wird ein streng gehütetes Geheimnis gelüftet. 36 Volksschulen, zwei Hauptschulen und drei polytechnische Klassen werden geschlossen.
„Die stellen sich hin und sagen, dass die Gemeinden informiert sind“, ist Fuchs erbost. Dabei war es wohl nur Zufall, dass er die E-Mail vor den Pressemeldungen gelesen hat. Andere Bürgermeister erfuhren erst aus den Medien von den Schließungen. Fuchs über die „Scheinargumente“: „In kleinen Einheiten sei kein Unterricht nach modernen Methoden möglich. Das hieße, dass unsere Lehrer und Schüler nix zusammenbringen und schlechter sind.“ Dabei seien gerade diese Lehrer aufgrund des schulstufenübergreifenden Unterrichts verhältnismäßig mehr gefordert. In Graz etwa würden Schulversuche nach diesem Prinzip laufen, weil so angeblich die sozialen Kompetenzen gefördert würden. „Das machen wir schon lange – und unsere Schule muss zusperren?!“ In Wahrheit gehe es ums Geld. Johann Fuchs will jedenfalls nicht so schnell klein beigeben. „Ich habe mich schon erkundigt, welche rechtlichen Schritte möglich sind. Wir müssen uns vernetzen und gemeinsam gegen Schließungen auftreten.“
In Stein gehen 13 Kinder zur Volksschule. In Trössengraben und Glojach sind es jeweils zwölf Schüler. „Man hat es nicht einmal für notwendig erachtet, mit mir und den Eltern zu reden“, ist Bürgermeister Karl Trummer enttäuscht. Andererseits würden die Nachbargemeinden schon um Glojachs Schüler buhlen. Johann Kaufmann, Bürgermeister von St. Stefan: „Jetzt fällt in Trössengraben auch das kulturelle Zentrum weg.“

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