Diese Klasse ist einfach „cool“
Beim Tag der offenen Tür in der HLW Feldbach kann man den „coolen“ Unterricht gleich ausprobieren.
Die Schülerinnen machen es sich am Schulgang auf der Couch bequem. Ihre Lehrerin ist als Einzige in der Klasse geblieben. Sie ist mit Korrekturarbeiten beschäftigt, während die Mädchen draußen ihren Arbeitsauftrag durchgehen. Gemeinsam arbeitet die Gruppe an der Lösung komplizierter Mathematikbeispiele. Einsagen ist erwünscht, Abschreiben erlaubt. Ab und zu sieht die Lehrerin nach dem Rechten. Wenn sie jemand ruft, ist sie sofort zur Stelle. Dieser Unterricht ist nicht nur cool, er heißt auch so.
Als „COOL“ (kooperatives offenes Lernen) wird die Unterrichtsmethode bezeichnet, bei der die Schüler selbst entscheiden können, was sie wann, wo, mit wem und zum Teil auch wie lernen wollen. Die alternative Lehr- und Lernmethode trägt dazu bei, dass Schüler selbst aktiv und neugierig werden und nach Lösungen von Problemen suchen. An mittleren und höheren Schulen wird so dem Wunsch nach mehr Förderung sozialer Kompetenz in der schulischen Ausbildung Rechnung getragen. Neben Sachwissen eignen sich die Schüler auch Schlüsselqualifikationen wie Eigenverantwortung oder Kooperations- und Teamfähigkeit an.
Diese Klasse hält zusammen
Seit Beginn des Schuljahres gibt es auch an der höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe (HLW) in Feldbach eine COOL-Klasse. Vier Stunden in der Woche büffeln die Schülerinnen der 1B in den Fächern Deutsch, Mathematik, Rechnungswesen und Religion anhand von Arbeitsaufträgen gemeinsam für gute Noten. „Die Lehrerinnen und Lehrer nehmen sich zurück. Ihnen kommt vielmehr eine Coaching- und Beobachterrolle zu“, beschreibt Petra Mehsner, Klassenvorstand der COOL-Klasse 1B und Leiterin des COOL-Lehrerteams, die Rollenverteilung. Die Aufgabe der Lehrkräfte liegt in erster Linie im Begleiten zur Selbstständigkeit. Die COOL-Lehrer arbeiten eng zusammen und stimmen im Sinne eines fächerübergreifenden Unterrichts bei Bedarf auch ihre Arbeitsaufträge aufeinander ab. Die Schülerinnen wiederum können ihrem Lerntempo entsprechend arbeiten. Darüber hinaus haben die Mädchen die Möglichkeit, neben den Pflichtübungen in sogenannten Wahlaufgaben selbst Schwerpunkte zu setzen.
Beim „Lauschangriff“ der WOCHE in der HLW hallt unüberhörbar positives Echo durch die Schulgänge. Einzig für Rechnungswesen wünschen sich die Schülerinnen die klassischen Stunden zurück. Ansonsten ist der Unterricht einfach nur „voll cool“. Auch der Herr des Hauses stimmt mit ein. Mit dieser Methode werde der kreative Arbeitsansatz gefördert. Außerdem stärke man Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen der Schülerinnen, so Direktor Wilhelm Mitsche über die Beweggründe für die Einführung von COOL in der HLW Feldbach. „Wir geben ihnen die Werkzeuge in die Hand, zur Lösung kommen sie selbst.“
