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09.02.2010 12:38 Uhr

Der das Blech biegt und bläst

Klaus Zidek hat seine Spenglerei in Schwabau zu einem innovativen Betrieb entwickelt.

Der das Blech biegt und bläst - Das Know-how der Firma floss natürlich auch in die Gestaltung des Eigenheims von Klaus Zidek in Schwabau bei Straden ein.
Das Know-how der Firma floss natürlich auch in die Gestaltung des Eigenheims von Klaus Zidek in Schwabau bei Straden ein.

Im Gespräch mit der WOCHE erzählt Klaus Zidek wie die Firma vor fast 70 Jahren mit Gießkannen begann, die beim neuesten Produkt, den bepflanzten Gründachkassetten nicht mehr gebraucht werden, wie er Blech zu Gold macht und damit auch den Marsch bläst, was für ihn das Dach der Welt bedeutet und warum er demnächst unbedingt nach San Francisco reisen muss.

Herr Klaus Zidek, wie war Ihr beruflicher Werdegang und der Werdegang der Firma?
Nach meiner Pflichtschulzeit in Straden begann ich 1981 die Lehre im väterlichen Betrieb. Nach der Meisterprüfung habe ich den Betrieb 1993 mit drei Mitarbeitern übernommen. Der Betrieb wurde 1931 von meinem Großvater als Einzelunternehmen gegründet. Er begann mit der Herstellung von Gießkannen, Milchkannen und Kuchenformen. Mein Vater Harald Zidek führte die Firma von 1968 bis zu meiner Übernahme. Der Betrieb wurde 1996 umgebaut, 1997 in eine Gesellschaft umgewandelt und ist seither stetig gewachsen. Ein weiteres Standbein ist der Dämmstoffhandel in Ungarn.
Wie ist Ihr Führungsstil?
Ich versuche die Mitarbeiter in Entscheidungen einzubinden. Sie sollen sehen, dass sie für sich eine Leistung erbringen und nicht nur für die Firma. Nicht ich bezahle die Mitarbeiter, der Kunde bezahlt sie.
Worauf bauen Sie bei Ihren Mitarbeitern?
Auf Ehrlichkeit, fachliche Kompetenz, Einsatzbereitschaft und selbständiges Denken.
Würden Sie den von Ihnen gewählten Weg wieder einschlagen?
Auf alle Fälle, außer ich könnte Berufsmusiker werden. Man hat zwar viel zu tun und viel Verantwortung, aber ich glaube, ich habe nichts falsch gemacht.
Sie biegen also nicht nur Blech, sie blasen damit auch den Marsch. Was ist Ihr besonderes Verhältnis zur Musik?
Seit dem 11. Lebensjahr bin ich begeisteter Trompeter und mittlerweile auch geschäftsführender Obmann der Marktmusikkapelle Straden und Lead-Trompeter bei der Brass-Band „De Merins“. Musik ist für mich der perfekte Ausgleich. Auch bei einer zweistündigen Probe kann ich mich beispielsweise perfekt erholen. Bei bis zu hundert Ausrückungen pro Jahr ist dieses Hobby aber auch sehr zeitaufwändig.
Bleibt da noch Zeit für andere Hobbys?
Ich habe den Tennisplatz des TC Schwabau direkt vor meiner Haustür und bin auch Obmann des Vereins. Im Winter laufe ich gerne Schi, im Sommer geht es in den Süden ans Meer zum Segeln.
Sie machen praktisch Blech zu Gold. Hat sich mit der Wirtschaftskrise etwas geändert?
Ja, und zwar so, dass wir im Vorjahr den Höchststand an Mitarbeitern hatten. Von Jänner bis März 2009 war allerdings schon ein Einbruch zu bemerken. Da unser Kundenklientel aber sehr breit aufgestellt ist, haben wir davon profitiert, dass wohlhabende ältere Kunden ihr Geld in Renovierung investiert haben. Hätten wir nur für die Industrie gearbeitet, hätten wir einen Einbruch gehabt.
Welche Kunden haben Sie?
Je zur Hälfte Privatkunden und Aufträge der öffentlichen Hand bzw. Industrie. Ein großer Kunde ist die Firma Hofer.
Worauf basiert der Erfolg Ihrer Firma?
Wir sind im Flachdachbereich schon sehr bekannt. Wichtig war es für uns, immer ein Produkt zu haben, mit dem man neu am Markt ist. So hatten wir auch mit unserer Rheinzinkpanelfassade großen Erfolg und erhielten dafür den Spenglerpreis 2009. Unser neuestes Produkt sind Gründachkassetten, die fix und fertig auf ein Flachdach gestellt werden. Mit einer Begrünung, die nicht mehr gegossen und gehegt werden muss.
Haben Sie noch Wünsche?
Helikopter-Skiing in Kanada oder im Kaukasus und demnächst erfülle ich mir den Wunsch einer Reise nach San Francisco. Auch als Belohnung für meine Tochter Sara, die heuer das Bauingenieurskolleg abschließt.
Waren Sie schon einmal am Dach der Welt?
Den Himalaja werde ich körperlich wahrscheinlich nicht schaffen. Aber für mich waren die Twin-Towers das Dach der Welt, auf denen ich ein Jahr vor dem Anschlag gestanden bin.
Wie sehen Sie die Zukunft?
Die Krise ist noch nicht vorbei und wird den Markt bereinigen. Wenn man keine Scheuklappen hat, ergeben sich aber neue Märkte.

walter.schmidbauer@woche.at

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