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10.02.2009 13:50 Uhr

Auch in der Politik liegt die Arbeit vor dem Erfolg

Seit 2. Dezember 2008 ist Reinhold Lopatka Finanzstaatssekretär. Eine erste Zwischenbilanz des Steirers in Wien.

Auch in der Politik liegt die Arbeit vor dem Erfolg - Zeit mit der Familie intensiv nutzen: Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka mit Gattin Franziska, den Söhnen Philipp, Andreas und Lukas sowie Kater Lucky Foto: Mayer
Zeit mit der Familie intensiv nutzen: Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka mit Gattin Franziska, den Söhnen Philipp, Andreas und Lukas sowie Kater Lucky Foto: Mayer


Für die WOCHE zog der neue Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka eine ganz persönliche Zwischenbilanz.


Es ist jetzt Freitag, 21 Uhr. Wie kann man sich den Arbeitstag des Finanzstaatssekretärs vorstellen?
Lopatka: Um 5.55 Uhr läutet der Wecker sowohl in Penzendorf als auch in der Wiener Wohnung. Beim Frühstück – wenn ich zuhause bin ein Müsli, frisch zubereitet von meiner Gattin Franziska – werden die Zeitungen gelesen und private Angelegenheiten besprochen. Während der Fahrt ins Ministerium werden die ersten Telefonate geführt und Unterlagen studiert. In Wien nütze ich das Frühstück auch für Arbeitsgespräche mit Journalisten oder internationalen Gästen. Ein normaler Arbeitstag in Wien beginnt mit einer kurzen Dienstbesprechung mit meinen engsten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und ist dann ausgefüllt mit Terminen im Ministerium, mit Vertretern von Berufsgruppen oder in jüngster Zeit immer häufiger mit Botschaftern, denen es um eine bestmögliche Abstimmung im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise geht. Fixer Bestandteil meiner Tätigkeit sind Treffen in den Bundesländern – bis auf Vorarlberg habe ich schon alle besucht –, die Wochenenden sind vor allem Terminen in der Steiermark gewidmet. So war ich erst vorige Woche bei einem großen Unternehmercocktail in Weiz und am Samstag bei einer ÖVP-Klausur in Mürzzuschlag, im Fasching steht auch der Besuch von mehr als einem Dutzend Bällen im Terminkalender. Ich versuche dabei stets meinem Arbeitsmotto „Per aspera ad astra“ (wörtlich übersetzt „Durch das Raue zu den Sternen“) zu folgen, denn bekanntlich liegt die Arbeit vor dem Erfolg.
Bleibt bei diesem Arbeitspensum auch noch Zeit für die Familie beziehungsweise für private Interessen?
Wenig, aber die wird dafür umso intensiver genutzt. Von Vorteil ist dabei sicher, dass meine Söhne und ich viele gemeinsame Interessen haben. Dazu zählt unter anderem der sonntägliche Lauf mit Philipp und Andreas oder eine Schachpartie mit Lukas. Eine wichtige Stütze im Lauf unserer mittlerweile 25 Ehejahre ist zweifelsohne meine Frau. Sie hat mir insbesondere in Wahlkampfzeiten sehr geholfen.
Sie sind jetzt seit etwas mehr als zwei Monaten Finanzstaatssekretär. Wie fällt Ihre erste Zwischenbilanz aus?
Die neue Aufgabe ist eine riesige und in alle Bereiche der Politik gehende Herausforderung. Schwerpunkte sind zurzeit die Steuerreform, das Doppelbudget, das wir – Finanzminister Pröll, Staatssekretär Schieder und ich – mit allen Ministern verhandeln müssen. Das Bankenpaket, die Verhandlungen über die Absetzbarkeit von Spenden und Neuerungen im österreichischen Glücksspielgesetz haben mich in den letzten Tagen ebenso beschäftigt wie Forderungen von Gemeinde- und Landesvertretern nach mehr Geld vom Bund. In den nächsten Wochen werde ich mit den Landeshauptleuten erstmalig die großen Bereiche Verwaltungsreform und Finanzausgleich zu verhandeln haben. Die letzten zwei Tage war ich in Brüssel und habe dort Finanzminister Josef Pröll beim monatlichen Treffen der europäischen Finanzminister, dem sogenannten Ecofin-Rat, vertreten. Unterstützt werde ich bei dieser Arbeit allein im Finanzministerium in Wien von 1.200 Mitarbeitern, davon rund 800 Akademikern von denen viele über eine internationale Ausbildung verfügen.
Zurzeit ist das Wort Krise in aller Munde. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein?
Ich halte die Hoffnungssignale vieler Wirtschaftsexperten für realistisch, die ab 2010 wieder einen Aufwärtstrend sehen. Bis zu diesem Zeitpunkt sind aber sicher Sondermaßnahmen seitens des Staates notwendig. Zu bedenken gebe ich aber, dass wir die Millionen, die wir heute ausgeben, morgen mit Zinsen zurückzahlen müssen. Alle Ministerien werden daher vom Finanzministerium zu einem Sparkurs angehalten.
Unternehmer klagen, dass es zunehmend schwieriger wird, von Banken Kredite für notwendige Investitionen zu bekommen. Wie stehen Sie dazu?
Genau aus diesem Grund wird zurzeit seitens des Staates überlegt, über den Austria Wirtschaftsservice, kurz AWS (Österreichs Förderbank für die unternehmensbezogene Wirtschaftsförderung, Anm. d. Red.), direkt Kredite anzubieten und damit einen Beitrag zur Konjunkturbelebung zu leisten.

alfred.mayer@woche.at

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