Fred Jaklitsch von der Leber weg

Er ist Dreh- und Angelpunkt einer Erfolgsstory, wie man sie im Bezirk Liezen, der Steiermark, ja sogar österreichweit nicht häufig erlebt. Fred Jaklitsch, Gründer und Bandleader der „Seer“, kann bereits mit 50 auf eine Karriere zurückblicken, die weitum ihres gleichen sucht.

Ein steiniger, langer Weg
Erlernt hat der 1960 in Bad Aussee geborene Vollblutmusiker eigentlich den Beruf des Lehrers. „Ausgeübt habe ich das ’Lehrerhandwerk’ auch zwei Jahre lang, bevor ich mich hauptberuflich der Musik zu widmen begann...“, erinnert sich der „Oberseer“. Sein Herz hätte allerdings schon immer der Musik gehört; so sei er schon vor seinem Durchbruch jahrelang mit verschiedenen Formationen durch das Ausseerland und das Ennstal getingelt. Auf Zeltfesten und Hochzeiten habe man gespielt und damals war noch keine Rede vom heute so unverwechselbaren „Seer-Sound“. „Wir haben Volksmusik, Pop, Funk und Heavy Metal gespielt – meistens Coverversionen – aber auch noch innerhalb der festen Formation ’Joy’ war die Zeit zach...“, erzählt Jaklitsch. „Irgendwann begann ich dann mich darauf zu besinnen, was ich fühle mit dem zu verbinden, was bei den Leuten ankommt. 1998 erschien auf ihrer dritten CD die Ballade „Wüds Wossa“ – und voila – der Grundstein zum ureigenen Stil der ’Seer’ war gelegt“.

Der rote Faden
Identität, Authentizität, Tradition und oben drauf ein hohes Maß an Flexibilität; das seien die Ingredienzien, welche laut Fred Jaklitsch die „Seer“ seit nunmehr 12 Jahren quasi konstant an der Spitze der Alpen-Charts halten. Und der „Platin-Status“ der vergangenen fünf Alben gibt ihm untrüglich Recht.
„Die ’ausseerlandler Seele’, das „Echige“ an unserer Musik ist wohl einer der Gründe dafür, warum wir im gesamten deutschsprachigen Alpenraum und darüber hinaus so gut ankommen“, ist Jaklitsch überzeugt.
Den Seer Sound weiter in die Welt hinaus „exportieren“ will der Bandleader aber nicht: „was uns ausmacht, ginge verloren, würden wir beispielsweise auf englisch singen...“.
„Seerisch“ wird also „Seerisch“ bleiben; mögen sich auch die Kombinationen verändern und die Band bei zeiten mit neuen Elementen experimentieren.

Dr. Jaklitsch & Mr. Seer
Sieht man Fred Jaklitsch auf der Bühne, so ist man dazu geneigt ihn als extrovertierten Showman einzuschätzen, der sein Herz vor der Brust trägt um sein Publikum so gut es geht mit sich mitzureißen. Erzählt er einem dann im Gespräch, dass er Themen wie „Verlust“, „Abschied“ oder „Trauer“ lieber in seinen Liedern verarbeitet als simple „Gaudi“, ist man überrascht. Der Showman, der sich im Vieraugengespräch als nachdenklich und mit einem Hang zur Melancholie entpuppt ist etwas, womit man im Dunstkreis der „Seer“ nicht rechnet. „Für mich ist das Schönste, wenn jemand auf unseren Konzerten eine Träne zerdrückt, weil ihn die Musik so berührt...“, sagt Jaklitsch, „ich will mit meinen Liedern ja schließlich Emotionen transportieren und nicht den Alkoholkonsum ankurbeln...“.
Auch das Schreiben gestaltet sich für den Fünfzigjährigen leichter an Orten der Ruhe. „An stillen Platzerln, zum Beispiel allein am Ödensee, denke ich am liebsten nach – dort passieren dann auch die schönsten Melodien und Texte...“, erzählt er.

Bleibt alles anders
Was die Zukunft für die „Seer“ bringen mag, dem steht Fred Jaklitsch gleichmütig gegenüber. „Wir haben früher nicht zu träumen gewagt, dass wir jemals so weit kommen könnten, wie wir es heute tatsächlich sind – also ist mein einziger Zukunftswunsch, dass alles so bleibt, wie es ist“, erklärt er schmunzelnd. Es gäbe laut ihm nach der aktuellen 14. CD noch keinen konkreten Plan für das kommende Jahr.
Ideen für musikalische Experimente hätte man allerdings sehr wohl bereits in der „geistigen Schublade“.
Gerüchte über eine bevorstehende Auflösung der „Seer“ schlägt Jaklitsch unmissverständlich in den Wind: „Mir sind die Seer mittlerweile derzeit derartig ans Herz gewachsen, dass es völlig undenkbar ist jetzt damit aufzuhören...“, stellt er klar.

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