Damoklesschwert: Punkteregelung!

Weg in eine positive Zukunft: Dieter Kalt, Team Austria-Headcoach Manny Viveiros, Verbandskapitän Giuseppe Mion (v. li.) (Foto: Kuess)

ÖEHV-Boss Dieter Kalt über Probleme, das Nationalteam und die Punkteregelung.

Im WOCHE-Interview macht sich ÖEHV-Präsident Dieter Kalt Gedanken über die Zukunft des österreichischen Eishockeys.

WOCHE: 100 Jahre ÖEHV. Der Verband macht sich mit dem Österreich Cup von 16. bis 17. Dezember ein Geschenk.
Kalt: „Genau, die Schweiz, Slowakei und Weißrussland sind die Gegner. Es wird schon eine Standortbestimmung in Hinblick auf den vorgenommenen Umbau im Team. Teamchef Manny Viveiros hat freie Hand bei der Kadererstellung.“
Alle drei Nationen sind Mitglied der Top Division. Rechnen Sie sich Chancen auf Siege aus?
„Die Gegner können von uns nur gefordert werden, wenn wir auf unserem höchsten Level spielen.“
Das österreichische Eishockey wurde einer Analyse unterzogen. Wie geht’s nun weiter?
„Am vergangenen Wochenende gab es eine Klausur dazu. Alle Probleme wurden aufgelistet. Nun gilt es, zusammen mit der EBEL sportliche Zielsetzungen zu schaffen.“
Nach außen hin sieht es so aus, als ob ÖEHV und EBEL ihre jeweils eigene Suppe kochen. Leidtragender ist das Nationalteam ...
„Unter vernünftigen Menschen muss es möglich sein, einen Weg zu finden. Dass in der EBEL Leute am Werk sind, die rein wirtschaftlich und nicht ans österreichische Eishockey denken, ist legitim. Ich verstehe die Haltung von Wien und Salzburg, die immer ein schlagkräftiges Team aufstellen wollen – das mit vielen Ausländern, alles andere interessiert sie nicht. Nur damit werden den heimischen Spielern Perspektiven genommen. Der ÖEHV ist für die Entwicklung des Sports zuständig. Wobei das Wort zuständig so leicht gesagt ist. Damit das Nationalteam erfolgreich spielen kann, müssen die Clubs sich um die Ausbildung der Spieler bemühen. Der Verband kann nur den Feinschliff machen.“
Haben wir zu wenig gute Spieler für das Nationalteam?
„Wir haben gute Spieler und Talente, die aber nicht die Erfahrung z.B. für Special Teams haben. Früher haben wir das mit Austrokanadiern wettgemacht. Potenzial für gute Spieler haben wir. Sie müssen aber gefördert werden.“
Wobei wir schon beim größten Streitpunkt, der umstrittenen Punkteregel sind. Viele heimische Cracks haben ihre Karriere beendet oder spielen unterklassig.
„Hintergrund der Einführung der Punkteregelung war die Förderung der heimischen Spieler und die kontinuierliche Rücksetzung der Punkte von 65 auf 50 Punkte. In der EBEL wurden immer neue Kompromisse geschlossen und deswegen stehen noch immer die 60 Punkte.“
Das heißt jetzt konkret?
„Die Punkteregelung hängt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Spieler. Mein Vorschlag wäre, die Abschaffung der Punkteregelung, hin auf ein anderes System – nämlich die kontinuierliche Reduzierung der Legionäre. Ein gutes Beispiel dafür ist die DEL. Die Zahl der Legionäre ging zurück, deutsche Spieler kamen immer mehr zum Einsatz, das Abschneiden des deutschen Nationalteams bei den letzten WM auch kein Wunder. Die Schweizer muss man als Vorbild kühl betrachten. Dort sind die Voraussetzungen andere. Was unsere Teams als Gesamtbudget auf die Beine stellen, investieren die Schweizer in den Nachwuchs.“
Ihre Wünsche für die Zukunft?
„Dass wir mit EBEL und Nationalliga eine Lösung für die sportliche Weiterentwicklung unserer Jugend finden.“

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